The Climb USA 2019 – 94min.

Filmkritik

Freunde fürs Leben

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Schauspieler Michael Angelo Covino und Kyle Marvin, die auch die Hauptrollen in The Climb spielen und das Drehbuch geschrieben haben, schöpfen für den Film aus dem Vollen. Es ist ihre eigene Freundschaft, die sie darüber nachdenken liess, wie männliche Freundschaften intensiver als die Beziehung zu einer Frau sein können, aber auch, wie zu enge Freundschaften die Gefahr mit sich bringen, dass Grenzen überschritten werden.

Kyle und Mike radeln in Frankreich einen Berg hoch. Da erklärt Mike seinem Kumpel, dass er mit dessen Verlobter geschlafen hat. Das trifft Kyle wie ein Donnerschlag, zumal die Hochzeit nicht mehr nur auf dem Spiel steht, sondern gleich abgesagt wird. Die Freundschaft der beiden Männer, die über 20 Jahre angedauert hat, endet – doch ein trauriges Ereignis führt sie wieder zusammen. Kyle und Mike kreisen umeinander, auch dann, als Kyle neu verlobt ist und sich Vergangenes zu wiederholen droht.

The Climb ist ein bemerkenswerter Film, unterteilt in sechs Kapitel, denen jeweils ein Titel vorangestellt ist. Alles beginnt mit der Radtour in Frankreich. Es ist eine Szene, die in einer einzigen Einstellung gedreht ist, die aber aufgrund der Aktion im Bild sehr dynamisch erscheint. Die weiteren Stationen im Leben der beiden Männer decken mehrere Jahre ab. Immer wieder macht man Zeitsprünge, die für den Zuschauer nicht sofort eingeordnet werden. Vielmehr muss er sich den Kontext durch das Spiel der Figuren, das Gesagte, aber auch jenen Figuren, denen die beiden begegnen, erarbeiten. Der Film arbeitet mit dem, was nicht ausgesprochen wird – diese Lücken schliessen sich bei der Rezeption jedoch von selbst.

Er hat seine emotionalen Momente, aber auch seine komischen. Der Film ist in seiner Darstellung einer Freundschaft, die extrem eng ist, ehrlich, weil er auch zeigt, was passiert, wenn ein dritter – in dem Fall eine Frau – dazukommt. Das führt zu Eifersucht auf der einen Seite und dem Versuch, die alten Zustände wiederherzustellen. Gerade die Figur Mike kommt dabei nicht sympathisch davon. Kyle wirft ihm vor, toxisch zu sein. Aber so etwas kann man sich in einer derart engen Freundschaft auch an den Kopf werfen – und dennoch geht es danach weiter.

The Climb zeigt Vignetten zweier eng miteinander verwobener Leben, er lebt von dem Band, das zwischen Mike und Kyle existiert. Es mag gespannt werden, es mag Höhen und Tiefen, Gutes und Schlechtes geben, aber letzten Endes ist jeder von ihnen das Zentrum des jeweils anderen. Das macht The Climb zu einem memorablen Film: Er greift ein Stück Leben heraus, unspektakulär, aber auch überraschend erzählt, und wird dabei von einem grossen Gefühl der Verbundenheit getragen.



17.08.2020

4

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Kommentare

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Taz

vor 2 Monaten

Eine gut vorgetragene Dramödie, die mit lebensechten Figuren und Aktionen auffährt. Eine kleine, aber frische Brise in der schweren Zeit. Hoffentlich findet dieser Film ein paar Zuschauer. Verdient hat ers allemal.


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