Official Secrets Grossbritannien, USA 2019 – 112min.

Official Secrets

Filmkritik

Das Richtige tun

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die grosse Kunst ist es, eine Geschichte, deren Ausgang man kennt, so zu erzählen, dass sie dennoch spannend ist. Zwar mag die Geschichte von Whistleblowerin Katharine Gun hierzulande nicht allzu bekannt sein, am Fakt ändert das aber nichts. Dafür präsentiert sich Official Secrets als eindringlicher und beeindruckender Film, der sehr versiert mit den komplexen Elementen seiner Geschichte jongliert.

2003: Katharine Gun (Keira Knightley) arbeitet im GCHQ, dem britischen Geheimdienst. Eines Tages erhalten ihre Kollegen und sie ein Memo der NSA, in dem sie alle in Zusammenarbeit mit Grossbritannien aufgefordert werden, UN-Delegierte auszuforschen: Die USA benötigen ein Druckmittel, um beim UNO-Sicherheitsrat die nötigen Stimmen zu bekommen, damit ein Krieg gegen den Irak nicht völkerrechtswidrig, sondern legitimiert ist. Um das Abrutschen in diesen illegalen Krieg zu verhindern, bringt Katharine das Memo an die Öffentlichkeit – und muss sich dafür vor Gericht verantworten.

Official Secrets ist nicht nur ein mehr als solider Polit-Thriller, sondern auch eine Lektion in Sachen Moralität, stellt er doch eine Figur in den Mittelpunkt, die bereit ist, alles für das zu opfern, woran sie glaubt. Ihr moralischer Konflikt ist es, der diesen Film ausmacht, wobei er es schafft, dies glaubwürdig und authentisch zu gestalten und nie dem Versuch zu erliegen, die Frau zu heroisieren. Sie tat das Richtige, weil es sonst keiner tat. Dem muss man applaudieren, es aber auch nicht übertreiben. Britisches Understatement ist hier also von Vorteil.

Der Film jongliert sehr gut mit den verschiedenen Handlungssträngen: Katharines Problemen, den Medien und deren Berichterstattung, der Verteidigung der Angeklagten. Wenn man dem Film etwas vorwerfen will, dann, dass er nicht ausreichend Zeit hat, um allem gerecht zu werden. Gerade das zermürbende Jahr, in dem Katharine Gun auf ihren Prozess wartete, hätte mehr Zeit erfordert, aber dafür hätte man aus dem Film eine Miniserie machen müssen. So, wie er jetzt ist, funktioniert er hervorragend und erzählt für den Zuschauer plausibel nach, wie im Jahr 2003 ein illegaler Krieg vorangetrieben werden konnte, ohne dass die Akteure dafür jemals zur Rechenschaft gezogen wurden.

Sollte man meinen, das ist längst vergangen, so erinnert Katharines Ausspruch – „Auch ein Premierminister darf sich seine eigenen Fakten nicht erschaffen" – daran, dass das Vereinigte Königreich heute wieder vor einer schweren Prüfung steht. Was jedoch fehlt, ist ein Whistleblower, der den Mut aufbringt, hervorzutreten und alles zu opfern…

02.10.2019

4

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Kommentare

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nick74

vor einem Tag

Außergewöhnliche Geschichte, außergewöhnliche Frau, toll verfilmt, empfehlenswert


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