Mon chien stupide Frankreich 2019 – 94min.

Mon chien stupide

Filmkritik

Viele Wege führen nach Rom

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Ein zugelaufener, ziemlich unartiger Hund wirbelt das Leben eines seit Jahren nichts zustande bringenden Autors und seiner Familie durcheinander: Yvan Attal hat mit der feinfühligen Tragikomödie Mon chien stupide den 1985 erschienenen Roman «My dog Stupid» von John Fante verfilmt.

Eigentlich war Henri Mohen (Yvan Attal) mal ein gefeierter Autor mit einem erfolgreichen Bestseller – doch das ist lange her: Seit Jahren fehlen ihm die Inspiration und Musse, um etwas Aussagekräftiges auf Papier zu bringen. Schuld daran sind laut Henri ganz klar seine vier – mittlerweile fast alle erwachsenen – Kinder, die ihm über die Jahre sämtliche Energie und Ressourcen geraubt haben und noch immer auf der Tasche liegen. Und auch mit seiner Frau Cécile (Charlotte Gainsbourg) ist es schon besser gelaufen, langsam aber sicher hat sich die erstickende Routine über ihre 25-jährige Ehe gelegt, haben Wein und Antidepressiva die Libido und Zuneigung verdrängt.

Bewegung in die festgefahrenen Dynamiken bringt ein streunender Hund, der während eines heftigen Sommergewitters im Garten des familieneigenen Anwesens an der Atlantikküste auftaucht und kurz darauf das Haus in Beschlag nimmt. Der riesige, vor sich hin sabbernde, unerzogene Streuner stösst bei der Mehrheit der Familie auf Ablehnung, kommt Henri mitten in seiner Identitätskrise jedoch absolut gelegen – weshalb er den auf den Namen „Stupide“ getauften Hund behält. Nach diesem Entscheid zersplittert nicht nur seine Ehe in tausend Stücke, sondern auch sein komplettes Leben.

Nach der Culture-Clash-Komödie Le Brio nimmt sich Yvan Attal als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler zusammen mit seiner Partnerin Charlotte Gainsbourg in einer der Hauptrollen dem Bestseller von John Fante an. Mon Chien stupide ist mit seinen grossen Themen Einsamkeit, Inspiration oder Bedauern eine Tragikomödie, in der sich schwarzer Humor (der manchmal zündet, manchmal nicht) und melancholische Einstreuungen die Waage halten. Statt zu dramatisieren – schliesslich sehen wir einem Mann zu, dem alles aus den Händen zu gleiten scheint: seine Ehe, seine Familie, seine Karriere – glänzt der Film mit Zurückhaltung in allen Belangen. Die emotionalen Momente passieren im Film wie häufig im echten Leben ziemlich unspektakulär, unterlegt mit jazziger Piano-Musik von Brad Mehldau, mit schön eingefangenen, farblos-schlichten Bildern, welche die Melancholie der Tragikomödie unterstreichen.

Attal geht so zurückhaltend vor, dass es eine Weile dauern kann, bis man sich in die Hauptfigur einfühlen kann. Er und Charlotte Gainsbourg spielen jedoch mit viel Gespür für die Befindlichkeiten ihrer jeweiligen Figuren, weshalb der leise, durchs Band äusserst passend besetzte Film spätestens nach der finalen Szene auch emotional nachhallt – und einiges zum Nachdenken liefert. Zum Beispiel darüber, dass an Lebenskrisen nicht alles schlecht ist. Oder aber, wieso Rom das heimliche Paris ist.

14.11.2019

3.5

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Kommentare

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tanjetta

vor 18 Tagen

Obwohl ich grosser Charlotte-Gainsbourg-Fan bin, fand ich diesen Film eine Katastrophe. Überzeichnete Charaktere, unglaubwürdiges Setting, ein vor Selbstmitleid strotzender Hauptdarsteller und stellenweise eine einfach wahnsinnig langweilige, vorhersehbare Story. Auch die angekündigten witzigen Dialoge haben sich mir nicht erschlossen. Schade!Mehr anzeigen


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