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Miriam Goldschmidt - Erfinderin von Dazwischen Schweiz 2019 – 83min.

Miriam Goldschmidt - Erfinderin von Dazwischen

Filmkritik

Eine Theaterkünstlerin zwischen den Welten

Noëlle Tschudi
Filmkritik: Noëlle Tschudi

Während sie sich bemüht, ihre Texte zu lernen und letzte Projekte auseinanderzufallen drohen, sieht Miriam Goldschmidt ihre Kräfte am Ende ihrer Theaterkarriere langsam schwinden.

Die titelgebende Theaterkünstlerin schaut in der Dokumentation Miriam Goldschmidt – Erfinderin von Dazwischen auf ein bewegtes Leben voller Erfolge aber auch belastender persönlicher Probleme zurück. Aufgewachsen als dunkelhäutiges Waisenkind im Nachkriegsdeutschland trat sie unter anderem in Stücken des renommierten Theaterregisseurs Peter Brook auf und war auf den Bühnen dieser Welt zuhause.

Die 2017 an Krebs verstorbene Miriam Goldschmidt wurde 1947 in Frankfurt geboren – lernte ihre leiblichen Eltern allerdings nie kennen. Nach den ersten Lebensjahren in Kinderheimen wurde sie als Fünfjährige von einem aus dem Exil nach Deutschland zurückgekehrten jüdischen Ehepaar adoptiert. Nur vier Jahr später trat sie in einer Kinderfernsehsendung vom Hessischen Rundfunk erstmals vor die Kamera. Um ihrer Passion zu folgen, verliess sie die Schule kurz vor dem Abitur und begann in Paris Schauspiel und Modern Dance zu studieren, wo schliesslich ihre ersten Werke als professionelle Schauspielerin und Regisseurin entstanden. Weitere Projekte in Zusammenarbeit mit den grössten deutschen Regisseuren der Nachkriegszeit sollten folgen.

Über die Entstehung, den Inhalt und die Rezeption dieser Werke erfährt das Publikum von Miriam Goldschmidt - Erfinderin von Dazwischen kaum etwas. Zwar wecken immer wieder eingestreute Aufnahmen von surrealen Performances und oftmals auch textlosen, aber eindringlichen Theaterszenen die Neugier auf ihr Gesamtwerk – der Umstand, dass diese Sequenzen jedoch oft beinahe vollkommen kontextlos zwischen Interviewpassagen mit Theaterschaffenden vorzufinden sind, wirkt jedoch reichlich befremdlich.

Während sich eine strenge zeitliche Chronologie der beleuchteten Lebensabschnitte von Goldschmidt in der Dokumentation zunächst abzeichnet, wird – zusammen mit einem roten Faden – bald schon auf diese verzichtet. So reihen sich Interviewpassagen mit Miriam Goldschmidt, Theaterschaffenden, die sie als ihre Muse bewundern, ihrem Mann, dem Schweizer Schauspieler Urs Bihler, und ihrem Sohn wahlweise an Ausschnitte von Auftritten oder Aufnahmen, in denen zu sehen ist, wie sich die Schauspielerin auf ihre Rollen vorbereitet, Texte einübt und ihre Mimik perfektioniert.

Im Fokus sind Sequenzen, die ihren ehemaligen Alltag greifbar machen und ihr Innenleben beleuchten: Szenen, in denen die einst ständig Reisende in ihrer Wohnung in Berlin mit ihrem Sohn isst, die ihre Angst vor dem Vergessen verdeutlichen oder ihren Umgang mit der Trauerbewältigung zeigen sind ebenso vorhanden wie Aufnahmen, in denen sie über ihre Vergangenheit und Arbeit spricht – poetisch, tiefgründig und nachdenklich.

Wer auf der Suche nach einem strukturierten Abriss von Miriam Goldschmidts Karriere ist, der wird in dieser Dokumentation nicht fündig werden. Stattdessen liefern die Regisseure Christof Schaefer und Janos Tedeschi mit Miriam Goldschmidt – Erfinderin von Dazwischen ein bewegendes, in erster Linie vor allem ausserordentlich persönliches Portrait über eine rastlose Künstlerin, die allen Hindernissen zum Trotz ein Leben voller Poesie einschlug.

11.11.2019

3.5

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Kommentare

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johanna_schwarz

vor 26 Tagen

Eine grosse Kostbarkeit! Was hat diese wunderbare, eigenwillige Schauspielerin und der besondere MENSCH Miriam diese Welt bereichert! Ein grosser Dank an die Film-Künstler, denen es gelungen ist davon etwas einzufangen - dieser Film ist mehr als das Dokument einer Biografie. Und zeigt
auch ein Stück Theatergeschichte...Mehr anzeigen


doerte_welti

vor einem Monat

Ganz wunderbar. Selbst wenn man Miriam Goldschmidt nie live auf der Bühne erlebt hat, nimmt einen die Präsenz dieser Frau gefangen. Sie hat Humor, sie ist Mensch, sie ist wahr und sie war, aber sie ist noch. Und bleibt. Auch Dank dieses wunderbaren Films von Jonas Tedeschi und Christof Schäfer.Mehr anzeigen


marejandro

vor einem Monat

Ein tief berührender und poetischer Film. Unbedingt anschauen!


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