Midway China, USA 2019 – 140min.

Filmkritik

Eine schwindelerregende Schlacht

Théo Metais
Filmkritik: Théo Metais

Es ist lange her, seit der Macher von Independence Day, Godzilla oder The Day after Tomorrow etwas Denkwürdiges oder gar Aufregendes geboten hat. Mit Midway, für das er die grossen Schlachten der Geschichte ausgräbt, liefert er eine verwirrende Plattitüde, die durch den bekannten Cast des Films kaum gerettet werden kann.

Als zentrale Schlacht im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs weiht Midway uns in die geheimen Abläufe eines Angriffs gegen die bisher unbesiegte japanische Flotte ein. Nach dem Pearl Harbor-Debakel, das die amerikanische Flotte vernichtet hat, hat der japanische Admiral Isoroku Yamamoto (Etsushi Toyokawa) vor, die Gewässer von den letzten verbliebenen amerikanischen Flugzeugträgern zu befreien. Dies jedoch ohne jegliche Vorahnung, dass der amerikanische Geheimdienst den japanischen Code entschlüsselt hat und Admiral Nimitz (Woody Harrelson) wusste, wo das Ganze stattfinden würde: in Midway, einem kleinen, abgeschiedenen Atoll im Nordpazifik. In der Folge begann ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Offensive zu starten, welche die japanische Flotte stürzen würde.

Typisch für Roland Emmerich fährt Midway die grossen Geschütze auf, um uns am Taumel einer der grössten Angriffe des Zweiten Weltkriegs teilhaben zu lassen. Das Drehbuch von Wes Tooke erzählt hauptsächlich aus amerikanischer Sicht, man ist quasi Arm in Arm mit der Geschichte des heldenhaften Piloten Dick Best, interpretiert von Ed Skrein, dem es definitiv an Glaubwürdigkeit fehlt, und des Geheimdienstoffiziers Edwin Layton, der von Patrick Wilson ohne Kanten, aber mit Effizienz gespielt wird.

Midway erzählt die Ereignisse in ihrer strengen historischen Chronologie, mit einigen willkommenen Umwegen zu den japanischen Marinetruppen und dem amerikanischen Kryptologieteam. Roland Emmerich hakt jedoch unerbittlich alle Felder des Kriegsfilms ab. Dem Beispiel von Admiral Nimitz folgend (äusserst subtil in Gestalt von Woody Harrelson) schlägt der Regisseur genau in jene Kerben, die von ihm erwartet werden. Midway fehlt es an Puste, Fantasie, Überraschung, an etwas Modernem und Authentischem.

Obwohl Emmerichs Stil zweifellos mit einer Form des Heldentums verbunden ist, nimmt sich Midway dennoch die Feinheit, zumindest ansatzweise die Underdogs und andere vergessene Menschen in der Geschichte anzusprechen, man denke insbesondere an die Kryptologie-Szenen mit Joseph Rochefort (Brennan Brown, sensibel und makellos), den Doolittle-Raubzug auf Tokio (Aaron Eckhart), an die Anspielung an John Ford und seinen Kameramann mitten in einem Luftangriff oder an einen Maschinengewehrschützen (Keean Johnson), der den unbewussten heroischen Tatendrang des Piloten ertragen muss.

Nichtsdestotrotz liegt es an der fehlenden Ausgewogenheit, dass die Geschichte über eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden nicht wirklich funktioniert. Wenn Ed Skrein sich abermals erhebt, um eine auswendig gelernte Motivationsrede zu schwingen, wünscht man sich, Midway hätte einen zeitgemässeren Anstrich bekommen.

Während Peter Jackson mit They Shall Not Grow Old unvergessliches Kriegskino bot, ist Midway mit zweitklassigem CGI ausgestattet, das Matrosen wie inkonsistente G.I. Joe-Figuren aussehen lässt, Flugzeugträger in einem visuellen Wirrwarr verschwinden lässt und viele Möglichkeiten vergibt, Beobachtungen festzuhalten, die der Geschichte eine innovative Komponente verliehen hätten. Einzig Woody Harrelson und Patrick Wilson können von ihren einnehmend gestalteten Figuren profitieren – sowie Tadanobu Asano, der den Konteradmiral Tamon Yamaguchi verkörpert. Doch auch die vier Dialogzeilen von Nick Jonas und das Flugzeug, das er ehrenhaft niederschiesst, um seinen Namen auf dem Poster zu rechtfertigen, können nicht verbergen, dass es Roland Emmerichs neuestem Film an Tiefe fehlt.

07.11.2019

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Kommentare

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CineX

vor 6 Monaten

Der Film "Midway" ist wohl der schlechteste Emmerich-Film, den ich je gesehen habe. Das unnötige Ausholen über Pearl Harbour, langweilige Dialoge, sehr schlecht eingesetzte und völlig übertriebene Spezialeffekte setzen die magere Geschichte in ein schlechtes Licht. Die absurde Rolle von Ed Skrein, dessen schauspielerische Leistung nicht zu unterbieten ist, demontiert das Debakel zu einem Fantasy Abenteuer, welche das Geld nicht lohnt. Ich würde R. Emmerich empfehlen, sich vor dem nächsten Actionknaller einmal einer einfachen, aber solide verfilmten Geschichte zuzuwenden. Der Schreibende hat den Film zur Pause verlassen.Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 7 Monaten

Dies ist eine hervorragende historische Darstellung der Schlacht von Midway und der Ereignisse in Pearl Harbor, die dazu geführt haben. Der Film ist sehr intensiv und zu keiner Zeit kommen Längen auf. Beeindruckend wie damals einige Entscheidungen auf beiden Seiten ein Glücksspiel waren. Es gab keine Satelliten, GPS-Systeme oder ausgeklügelten Radarsysteme, die die Strategien der Gegner aufzeigen konnten. Zu Beginn fand ich die Spezialeffekte störend aber die wurden danach zum Glück besser.Mehr anzeigen


grefele

vor 7 Monaten

Der Film hat mir nicht gefallen. Total Amerikanisch übertriebene Dialoge und kitschig animiert. Typisch Emmerich.

CineX

vor 6 Monaten

Trotz meiner herben Kritik ist für mich R.Emmerich einer der grossen Regisseure. Womöglich war die Zusammenarbeit mit den Cinesischen Partnern nicht einfach. Es scheint, als habe er zeitweise das Heft anderen überlassen.


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