Sweethearts Deutschland 2019

Sweethearts

Filmkritik

Ein Date-Movie

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Mit ihrer zweiten Regiearbeit dringt Karoline Herfurth in einen Genre-Bereich vor, der besonders von den Amerikanern in den 1980er-Jahren stark beackert wurde: der Buddy-Film mit etwas Action und viel Humor, bei dem zwei Menschen, die sich eigentlich nicht riechen können, zu echten Freunden werden. Ihre Hausaufgaben hat sie dabei gemacht, auch wenn das Ganze gerne etwas origineller hätte sein können.

Die von Panikattacken geplagte Franny wird urplötzlich zur Geisel, als ein Juwelenraub, den die alleinerziehende Mutter Mel durchziehen wollte, schiefläuft. Die eine hat zuerst Angst vor der anderen, die andere ist durchgehend genervt, aber irgendwann raufen sich beide zusammen in dem Versuch, die Diamanten an den Mann zu bringen, ohne dass es der Verbrecher-Boss, der im Viertel taktgebend ist, mitbekommt. Aber dann kommt auch noch ein Polizist dazu, der zu einer weiteren Geisel wird und alles ganz gewaltig verkompliziert...

Herfurth spielt die Hauptrolle der quirlig-nervigen Franny, hat aber auch am Drehbuch mitgeschrieben. Sweethearts ist ihr Baby, aber eines, das nicht so gelungen daherkommt wie ihr Erstling SMS für dich. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte nichts wagt. Hier wird in vorhersehbaren Bahnen erzählt, ohne dass es besondere Überraschungen oder originelle Kniffe gäbe. Stattdessen gibt es solide Unterhaltung, bei der eigentlich nur eines wirklich heraussticht: die Musikauswahl. Herfurth zeigte schon bei ihrem Erstling, dass sie ein Gespür dafür hat, Songs zu wählen, die dem emotionalen Moment der Geschichte gerecht werden und in die Ohren gehen. Das gelingt ihr auch hier wieder.

Davon abgesehen, ist Sweethearts gut funktionierende Unterhaltung des grössten gemeinsamen Nenners. Das ist hübsch anzusehen und unterhält, auch wenn nichts grundlegend Neues geboten wird. Damit ein Film wie dieser aber zumindest zu gefallen weiss, bedarf es etwas, das man nicht planen kann: Chemie. Die gibt es hier zuhauf, sowohl zwischen Herfurth und ihrem Ko-Star Hannah Herzsprung, als auch mit Frederick Lau, der den Polizisten spielt, welcher sich eigentlich gar nicht in diese Geschichte hineinziehen lassen wollte.

Natürlich sucht man Tiefgang bei diesem Film vergeblich. Den hatte SMS für dich mehr, allerdings hatte der wiederum mehr Kitsch, als es bei Sweethearts der Fall ist. Unterm Strich ist dies ein gefälliger, gut gemachter Film, dem zwar Ecken und Kanten fehlen, der aber über die volle Laufzeit sein Publikum unterhalten kann. Manchmal muss es ja auch nicht mehr sein – schon gar nicht, wenn man Sweethearts als klassischen Date-Movie versteht.

15.05.2019

3

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