Jojo Rabbit Deutschland, USA 2019 – 108min.

Filmkritik

Ein Maori spielt Hitler – wie wunderbar

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Taika Waititi, der mit dem dritten Thor-Film international erfolgreich war, hat das Skript zu Jojo Rabbit geschrieben, den Film inszeniert und spielt selbst eine Rolle: Die von Adolf Hitler. Waititi, dessen Vater ein Maori und dessen Mutter Jüdin ist, erklärte auf die Frage, wieso er sich entschieden hat, diese Rolle zu spielen: „Die Antwort ist einfach: Was für ein besseres "Fuck You" an den Kerl könnte es geben?“

Der kleine Jojo (Roman Griffin Davis) ist überzeugter Nazi: Er ist Teil der Hitlerjugend, glaubt an den Endsieg und hält Juden für Ausgeburten der Hölle. Als er herausfindet, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) auf dem Dachboden ein jüdisches Mädchen namens Elsa (Thomasin McKenzie) versteckt hat, gerät sein Weltbild jedoch ins Wanken. Immer öfter spricht er mit seinem idiotischen imaginären Freund Adolf Hitler (Taika Waititi), der ihn antreibt, weiterhin ein strammer Nazi zu sein, und der Jüdin Elsa. Und langsam aber sicher beginnt Jojo, seinen blinden Nationalsozialismus in Frage zu stellen.

Es ist ein ungewöhnlicher Film, den Waititi mit Jojo Rabbit präsentiert. Eine Satire, die ins Absurde abgleitet, aber eine Geschichte erzählt, die zu Herzen geht und schmerzhaft ist. Weil im Zentrum echte Menschen stehen, mit echten Gefühlen, echten Sorgen und echtem Schmerz – und das inmitten einer Geschichte, in der es nicht für jeden ein Happy End geben kann. Das ist das tatsächlich Imposante an Jojo Rabbit: Dass Waititi es durchgehend schafft, eine Balance aus teils slapstickhaftem Humor und Ernsthaftigkeit zu erschaffen. Ersteres wird vor allem durch den von ihm gespielten imaginären Hitler erreicht, der mit seinem überdrehten Akzent, aber auch der fahrigen Art, sich zu bewegen, zu ständigem Schmunzeln anregt.

Der Kern der Geschichte – die Läuterung eines Jungen, der sich einer bösartigen Ideologie verschrieben hat – ist intensiv gestaltet, weil sie berührt, und das in mehr als einer Hinsicht. Das gilt für die von Scarlett Johansson gespielte Mutter, die auf ihre Weise Widerstand leistet, ebenso wie für den ambivalenten Hauptmann, verkörpert von Sam Rockwell. Andere Figuren wie die von Rebel Wilson geraten zur Karikatur. Genau diese Mixtur ist es aber, die Jojo Rabbit so erfolgreich werden lässt. Weil Waititi es versteht, eine wichtige Geschichte zu erzählen, die phantasievoll, mutig, lustig, tragisch, bewegend und warnend zugleich ist, legt er doch auch das Augenmerk darauf, wie Menschen dazu manipuliert werden können, andere zu hassen.

Exzellent geschrieben, grossartig gespielt und mit einer musikalischen Untermalung versehen, die höchst schräg daherkommt, ist Jojo Rabbit kühnes und wagemutiges Kino, an dem sich die Geister scheiden werden. Was schade ist – denn Waititi vergisst trotz des vielen Humors nie, wie ernsthaft das ist, was er zu erzählen hat.

22.01.2020

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 5 Tagen

Der Spagat, der unumgänglich scheint, wenn man sich humoristisch mit einem Thema wie dem Nazi-Terror des zweiten Weltkrieges auseinandersetzt, ist von Waititi nicht immer formvollendet elegant ausgeführt. In grossen Ausfallschritten tritt "Jojo Rabbit" auch mehrmals daneben. Doch letztlich bleiben genügend herrlich prägnante Szenen übrig, für die sich der Aufwand eines Spagats auf jeden Fall lohnt.Mehr anzeigen


julianne

vor 15 Tagen

Auch nie so gesehen absolut sensationell zwischen Comedy und Drama der Hitler als Comedy Figur wirklich mega !! Super Oscar für bestes Drehbuch !!!! Bravo


cinerat

vor 18 Tagen

Jojo wird herrlich gespielt von einem erst 12jährigen Jungen. Was für eine schauspielerische Leistung! Die Geschichte startet ziemlich schräg, wird dann aber immer besser und plausibler. Ich frage mich aber, ob es den Führer in dieser überdrehten und fast schon sympathischen Art wirklich braucht.Mehr anzeigen


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