Erde Österreich 2019 – 116min.

Erde

Filmkritik

Man Made

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Ausgehend von den unterschiedlichsten Baustellen, Minen und Steinbrüchen weltweit, wo Ressourcen der Erde abgetragen und verschoben oder Abfälle gelagert werden, erzählt Nikolaus Geyrhalter in seiner Dokumenation, wie der Mensch den Planet Erde formt, verändert, gewissermassen auch verschandelt.

Viele Bilder in Erde kommen einem vor wie ein Set aus einem Sci-Fi-Film: Die Aufnahmen zeigen in tristen Beige- und Grautönen gehaltene Landschaften, die mit ihrem Nichtvorhandensein von jeglichem Leben nicht trostloser sein könnten und ein postapokalyptisches Zukunftsszenario darstellen könnten – unendliche Weiten, gefüllt mit Dreck, Stein, Sand. Einzig die im Verhältnis winzigen grellfarbigen Industriemaschinen in leuchtendem gelb oder orange zeigen, dass hier nicht alles tot ist: Arbeiter, die Erde abtragen, Stein abbauen, nach Kohle suchen.

Was Nikolaus Geyrhalter in seiner Dokumentation zeigt, ist nicht ein fiktives Zukunftsszenario, sondern die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts. Es sind eindrückliche Bilder von Grossbaustellen weltweit, die veranschaulichen, dass der Mensch mit Kohleabbau, Atomlagerung, Tunnelbau und Kupfergewinnung die Erde aktiv formt, und mit ihr zum Teil Millionen alte Landschaften und geologische Formationen.

Vom Brenner-Tunnel in Österreich über Kupferminen in Spanien bis nach Amerika, wo in Kalifornien für den Wohnungsbau ganze Hügellandschaften plattgemacht werden, rückt der Film unterschiedliche Baustellen, Minen und Steinbrüche und deren ArbeiterInnen in den Fokus, die über ihren Arbeitsalltag, ihre Gedanken zu ihrer Tätigkeit oder Umweltthemen Stellung nehmen. Die Dokumentation kommt dabei komplett kommentarlos aus: Stellungnahmen kommen rein von den Betroffenen, die aus ihrer Sicht zum Thema beitragen.

Es dauert eine Weile, bis man sich des Konzepts des Films bewusst ist: Man hüpft als Zuschauer sozusagen von Baustelle zu Baustelle und erfährt anhand der eindrücklichen Bilder und den Statements der Befragten, was Sinn und Zweck der jeweiligen Arbeitsstätte ist. Grundsätzlich ist es eine interessante Methode und ein spannender thematischer Ansatz, den die Dokumentation verfolgt.

Leider verpasst es Erde jedoch, die einzelnen Kommentare und Bilder stringent zu einem Informationsstrang zusammenzuführen – was wohl zum einen der Unterschiedlichkeit der angesprochenen Themen der Portraitierten, zum anderen auch der Länge des Films zu verschulden ist, die mit 116 Minuten auch deutlich kürzer hätte ausfallen können. Für am Thema interessierte mit genügend Geduld kann der Film ein faszinierender, wenn auch etwas pessimistischer Denkanstoss sein – all jene, die sich von einer Dokumentation Hintergrundfakten und viel neues Wissen erhoffen, bleiben in Erde aber eher auf der Strecke.



05.09.2019

3

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