Dark Waters - Vergiftete Wahrheit USA 2019 – 126min.

Filmkritik

Gegen alle Widerstände

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

In Todd Haynes‘ neuer Regiearbeit wühlt sich der dreifache Oscar-Kandidat Mark Ruffalo in der Rolle des real existierenden Anwalts Rob Bilott durch einen schier unglaublichen Umweltskandal, der den Chemieriesen DuPont betrifft. Das Ergebnis: Ein stark gespieltes, wohltuend konzentriert erzähltes Tatsachendrama, das viele Zuschauer nachdenklich zurücklassen dürfte.

Eigentlich ist der in einer erfolgreichen Wirtschaftskanzlei arbeitende, gerade zum Partner aufgestiegene Rob Bilott (Mark Ruffalo) ein denkbar schlechter Ansprechpartner für den verzweifelten Farmer Wilbur Tennant (Bill Camp), der im Jahr 1998 mit einem dringenden Anliegen an den Unternehmensanwalt herantritt. Für die Missbildungen und das Sterben seiner Kühe sei die Deponie des Chemiegiganten DuPont verantwortlich, den er unbedingt zur Rechenschaft ziehen will.

Weil Bilott persönliche Beziehungen in die Region in West Virginia hat, aus der Tennant stammt, stellt er netterweise ein paar Nachforschungen an. Einen grossen Skandal kann der Jurist zunächst jedoch nicht entdecken. Als er sich trotzdem dazu durchringt, tiefer zu graben, stösst er auf Indizien, die einen bösen Verdacht nähren: Offenbar hat DuPont die gesundheitlichen Gefahren eines synthetischen Stoffes namens Perfluoroctansäure, kurz PFOA genannt, der unter anderem in der Teflon-Produktion zum Einsatz kam, gezielt verheimlicht.

„Dark Waters – Vergiftete Wahrheit“ ist die Chronologie einer ungeheuerlichen Affäre, die ein schlechtes Licht auf den von Profitdenken getriebenen DuPont-Konzern und das Wirken der für die Kontrolle zuständigen Behörden wirft. Bilotts Recherchen fördern ein korruptes Netzwerk und miese Verschleppungstaktiken zu Tage und führen dazu, dass der anfangs auf der anderen Seite stehende Anwalt mehr und mehr das System hinterfragt.

Regisseur Todd Haynes, der noch nie für reisserische Filme bekannt war, lässt sich zum Glück nicht vom Erregungspotenzial seines Stoffes anstacheln, sondern begegnet den wütend machenden Enthüllungen mit einer angenehmen Sachlichkeit und Präzision. In sorgsam komponierten, unterkühlt-blaustichigen Bildern und ohne inszenatorische Mätzchen entfaltet sich eine David-gegen-Goliath-Geschichte, in der die von Mark Ruffalo angenehm unprätentiös verkörperte Hauptfigur nicht zu einem überlebensgroßen Helden mutiert.

Das Drehbuch, das auf einem Beitrag aus dem New York Times Magazine basiert, bemüht sich, die Komplexität des Falles einzufangen, muss aber, vor allem in der zweiten Hälfte, mit einigen Verknappungen operieren und kann nicht alle angeschnittenen Aspekte ausreichend vertiefen. Der eindringlichen Wirkung tun die dramaturgischen Einschnitte jedoch keinen grossen Abbruch. Auch, weil der Film bis in die Nebenrollen hinein stark besetzt ist. Eindruck hinterlassen besonders Bill Camp als um seine Existenz fürchtender Farmer, Tim Robbins als Bilotts ungeduldiger Chef und Anne Hathaway als Robs zunehmend beunruhigte Ehefrau Sarah.

13.10.2020

4

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Kommentare

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Patrick

vor 4 Stunden

Der Fall DuPont wird Filmisch verständlich und interessant umgesetzt,und Mark Ruffalo brilliert als Kämpfer für Gerechtigkeit und daher ist er auf Oscar~Kurs.

Zuletzt geändert vor 3 Stunden


thomasmarkus

vor 3 Tagen

Wegen Corona war der Vorfilm zu "Dark Water" gefühlt ein halbes Jahr zu sehen.
Drm fast eine Erlösung, den Film endlich zusehen, quasi "abzuhaken".
Allein: Abhaken geht mindestens nach dem Abspann nicht mehr.
Die problematisierte Chemikalie, verantwortlich für Deformationen, Krebs, u.ä,
ist mittlerweile in JEDEM Lebewesen nachzuweisen.
Die real existierende Kühe werden wissentlich vergiftet, weil die Chemie ihre Goldkuh weiterhin melken will.
Trotz Vorfilm mit vielen Szenen, so dass mann/frau sich ausrechnen kann, worums geht und wie's ausgeht,
bleibt der Film spannend bis am Schluss.
Und das bedrückendste: Wenn er sozusagen in lang lang her beginnt,
schön zu beobachten an den technischen Gerätschften,
die sich im Verlauf der Handlung entwickeln,
vom Fax übers Motorola zum Smartphone... - der Film kommt bedrückend nah zur Jetztzeit.
Das ist nicht einfach eine Geschichte, wie früher Schindluderei betrieben wurde, sondern das dauert an.
Der gezeigte Anwalt kämpft noch heute. Und die Sache ist nicht ausgestanden.

Erstaunliche links von Amerika zu uns, und vom Doku-Epos ins heute:
Der Bauer kämpfte gegen die Vergiftung seines Bodens.
Die Lösung der Politik: Anhebung der Grenzwerte im Trinkwasser.
Bei uns kämpfen viele Bauern gegen die Trinkwasserinitiative.

Wie die Wirtschaft ihre Verantwortung wahrnimmt, ein anderes, noch ärgeres Thema.

Und auch hier das Totschlagargument
für mehr Vorsicht, Einsicht, Verantwortung:
"Aber das schadet doch der Wirtschaft!"Mehr anzeigen


as1960

vor 5 Tagen

"Dark Waters" erinnert natürlich an "Erin Brockovich". Anwalt kämpft gegen Wirtschaftsriesen der wissentlich Menschen und Tiere vergiftet. Somit bringt der Streifen nicht etwas gänzlich Neues, trotzdem ist die Geschichte packend erzählt. Durch düstere Bilder wird eine stets unangenehme Stimmung generiert, und Mark Ruffalo glänzt in der Rolle des leidenden Anwaltes der viel riskiert und auch einen hohen Preis bezahlt. Auch Anne Hathaway macht sehr viel aus der Rolle der Ehefrau. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Film, der ein grösseres Publikum verdient hätte.Mehr anzeigen


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