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Das letzte Buch Schweiz 2019 – 94min.

Das letzte Buch

Filmkritik

Dem Leben immer wieder Stirn bieten

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Im Doku-Porträt der Schriftstellerin Katharina Zimmermann spiegelt sich ein Stück Schweizer Frauengeschichte.

Es sei dies wohl ihr letztes Buch, sagt Katharina Zimmermann und meint «Umbrüche», 2015 im Zytglogge-Verlag erschienen: persönliche Erinnerungen, ausgehend von Gärten, die in „Zimmermanns Leben gehören“. Ebensolche Erinnerungen bilden die Substanz von Das letzte Buch, einem feinfühligen Filmporträt, gefertigt von Anne-Marie Haller.

Seinen Anfang nimmt Hallers Film in Zimmermanns (Er-)Leben als Autorin: Um eine Geschichte zu verorten, erklärt sie, müsse sie so lange durch eine Landschaft gehen, bis diese selber zu erzählen beginne. Für den Roman «Der Amisbühl» etwa, der die Geschichte ihres Grossvaters erzählt, wandert sie immer wieder auf den Beatenberg. Ausgehend von diesen Wanderungen und Gesprächen bricht der Film auf in Zimmermanns Vergangenheit.

In die Zeit, in der sie das Lehrerinnendiplom in der Tasche an der Musikakademie in Detmold eine Zweitausbildung beginnt, diese aber abbricht um zu heiraten. Es folgen vier Jahre im Berner Oberland, in denen sich Zimmermann als Pfarrersfrau, Ehefrau und Mutter stark eingeschränkt fühlt; auf Anfrage der Basler Mission folgen ab 1964 fünfzehn Jahre in der Entwicklungshilfe in Indonesien.

Obwohl Zimmermann offiziell bloss ihren Mann begleitet und nebst vier eigenen fünf Pflegekinder aufzieht, findet sie Zeit für Aufgaben, die sie erfüllen. In Banjarmasin übernimmt sie von ihrem Mann die Chorleitung und die Singstunden, auf Tarakan bringt sie den einheimischen Frauen, Stricken, Lesen und Schreiben bei und betreut eine Radiosendung für Frauen. In dieser Zeit beginnt sie auch zu schreiben; Rundbriefe, welche das Hilfswerk regelmässig publiziert. Als Katharine Zimmermann 1979 in die Schweiz zurückkehrt wird sie Schriftstellerin.

Der Abschied von Indonesien sei ihr schwer gefallen, sagt sie. Doch als Haller aufbricht, um in Indonesien den Spuren ihrer Protagonistin nachzuforschen, reist statt derer die älteste Tochter mit; so wie die Mutter erzählt, dass sie nach 15 Jahren in Indonesien noch eine Fremde war, fühlt sich die Tochter in der Schweiz nie ganz zu Hause.

In ihrer beider Leben schreibt sich, belegt mit Fotos aus dem Familienalbum und Archiven, Zeitgeschichte ein: der Militärputsch in Indonesien, der gesellschaftliche Wandel in der Schweiz, die durch technische Erneuerungen, den digital Turn bedingten, rasanten Umwälzungen im Buchwesen. Irgendwann, meint Zimmermann, möchte man als Autorin jeweils wissen, ob ein Buch wirklich herauskomme. Ihre bis dato letzte Erzählung, «Nicht allein», ist 2018 unter dem Label „Zytglogge“ bei Schwabe erschienen.

07.10.2019

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