But Beautiful Österreich 2019 – 115min.

But Beautiful

Filmkritik

Zusammen sind wir stark

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Die Welt ist ein komplexer Organismus. Alles greift ineinander und somit hat jede Veränderung Auswirkungen auf den globalen Zustand – und damit ist weniger der so oft zitierte chinesische Reissack gemeint, sondern vielmehr die so realen Bedrohungen wie das problematische Bienensterben. Allein dadurch haben viele Menschen erst wirklich verstanden, wie fragil und miteinander verwoben unser Ökosystem ist.

Auch Regisseur Erwin Wagenhofer schaut mit seinem neuen Dokumentarfilm But Beautiful darauf, wie sich die Dinge global zusammenfügen. Allerdings tut er das auf einer eher moralischen Ebene und stellt die Frage, wie man die Vision einer besseren Welt realisieren kann. Dafür hat er Menschen aufgesucht, die neue Wege gehen und ein „anderes“ Leben leben: Er begegnet unter anderem einem Förster in den Wäldern im Salzburger Land, der sich mit Leidenschaft seinen Bäumen verschrieben hat, einem Schweizer Ehepaar, das auf La Palma ein Ödland in ein Paradies verwandeln will und der Schwester des Dalai Lamas. Aber auch ein Sozialarbeits-und Forschungszentrum, das indischen Frauen Wissen über Solarenergie vermittelt und eine Handvoll Musiker repräsentieren Wagenhofers Vision der allumfassenden Schönheit der Welt.

But Beautiful nimmt sich Zeit für seine Protagonisten. Vielleicht etwas zu viel Zeit. In langsamen und detailverliebten Einstellungen nähert sich Wagenhofer den Menschen, die ihre Vision einer besseren Welt verfolgen. So ehrenwert diese reale Arbeit auch ist, umso schwieriger ist die filmische Umsetzung geworden. Denn Wagenhofer hakt ganz brav alle wichtigen Themen ab: Von Ökologie über Bildung hin zu Politik und Kultur sind alle Ansätze dabei.

Und auch wenn verschiedene Perspektiven für eine lebenswertere Zukunft wichtig sind, es gelingt dem Film nicht wirklich, einen stimmigen Erzählfluss zu finden und die einzelnen Stationen so miteinander zu verweben, dass sie einen Mehrwert bekommen. Überhaupt werden die Episoden nur notdürftig mit dem Jazz der musikalischen Protagonisten zusammengehalten und finden lediglich in den Naturaufnahmen ein dünnes Echo ineinander. Darüber hinaus verliert sich der Film zu sehr in seinen Bildern, die durch ihre überbetonte Poesie oft hart am Kitsch kratzen.

„Nichts existiert unabhängig“ lautet die Subline des Films, aber als Zuschauer beschleicht einen eher das Gefühl, dass hier mit einer vorangestellten Floskel über die fehlenden Verbindungspunkte hinwegtäuscht werden soll. Und so verhebt sich But Beautiful an seinem global-philosophischem Ansatz und bietet eher betuliche Unterhaltung als mentale Erleuchtung.

15.11.2019

2.5

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Kommentare

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forumuser

vor 13 Tagen

Meisterwerk! Ein wunderbarer, schöner, autobiografischer Episodenfilm der aufzeigt und zurückführt zu dem, was wichtig ist im Leben (was so ganz anderst als das ist, was uns unser Wirtschafts- und Finanzsystem system einzureden versucht). Autobiografisch - als Gegensatz zu "nur theoretisch", "rein utopisch". Lehrreich ohne zu belehren und zu tadeln. Inspirierend Ohne zu mussionieren. Definitiv ein Gedankenanstoss und Augenöffner.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 13 Tagen


STG

vor 25 Tagen

Wie diesen Film umschreiben?... man muss ihn einmal und man muss ihn ein paar Mal sehen, um die Botschaft umfassen zu können.... Er missioniert nicht, tadelt nicht, er zeigt auf, dass jeder von uns auf seine Weise Empfänger eines Gedanken oder eines Gefühls ist.... und seine Botschaft einfach leben muss....
Schöne Bilder begleitet von wunderbarer Musik, welche uns auf eine kleine Weltreise begleiten, auf eine Reise selbst Empfänger und Botschafter zu werden.Mehr anzeigen


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