Where Is Kyra? Grossbritannien, USA 2017 – 98min.

Filmkritik

Überlebenskampf in New York

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Michelle Pfeiffer zeigt in der Rolle einer hochverschuldeten Frau, der ein radikaler sozialer Abstieg droht, ihre stärkste Leistung seit vielen Jahren. Ein Leben zwischen Existenzangst, krimineller Energie und aufkeimender Hoffnung.

Nach der Scheidung von ihrem Mann ist Kyra (Michelle Pfeiffer) wieder zu ihrer gebrechlichen Mutter nach Brooklyn gezogen. Die Pflege und die Zeit mit ihr geben Kyra Stabilität und Halt. Unterdessen versucht sie einen Job zu finden, doch alle Bemühungen scheitern. Dann stirbt ihre Mutter. In der Bank erfährt Kyra, dass sie deren Rentenscheck nicht einlösen darf. Ohne Aussicht auf ein festes Einkommen droht die Zwangsräumung. Ein wenig Licht in ihr Leben bringt der alleinstehende Doug (Kiefer Sutherland). Doch ihrem neuen Freund erzählt Kyra nichts von ihrer misslichen Lage. Wie lange kann sie den Schein wahren?

Nachdem Michelle Pfeiffer zuletzt vor allem in Blockbustern (zum Beispiel Avengers: Endgame) zu sehen war, kehrt sie mit Where is Kyra zum anspruchsvollen, komplexen Drama zurück. Der Film stammt vom Nigerianer Andrew Dosunmu, der in den 90er-Jahren durch Musikvideos für Künstler wie Wyclef Jean und Isaac Hayes bekannt wurde. Where is Kyra? entstand im Winter 2015 / 2016 in New York.

Where is Kyra geht nicht nur als ambitioniertes Sozialdrama durch, das die Dramatik des ungebremsten sozialen und finanziellen Niedergangs aufzeigt. Der Film funktioniert ebenso als feinfühlig inszenierte, mit erzählerischer Ruhe umgesetzte Charakterstudie einer starken Frau, die hingebungsvoll ihre kranke Mutter pflegt und im Grossstadt-Moloch New York um ihr Glück kämpft – auf dem Arbeitsmarkt ebenso wie in der Liebe. Dass dabei auch illegale Mittel und kriminelle Methoden angewandt werden, offenbart nur die schwierige Lage, in der sich die Hauptfigur befindet.

Michelle Pfeiffer agiert derart kraftvoll und leidenschaftlich wie lange nicht. Die rohe Präsenz ihrer Figur wird von Andrew Dosunmu in dringlichen und ruhigen Nahaufnahmen eingefangen. Allerdings variieren Dosunmu und sein Kameramann Bradford Young die technische und visuelle Umsetzung, da sie ebenso auf ungewöhnliche Blickwinkel sowie unkonventionelle Kameraperspektiven setzen.

Eine schlechte Entscheidung war es, weitestgehend auf künstliches Licht zu verzichten. Durch die fehlende Ausleuchtung sind die Gesichter der Darsteller – gerade im Zusammenspiel mit den stark kadrierten Bildern – oft nur schwer zu erkennen. Vieles bleibt unklar und, im wahrsten Sinne, im Dunkeln. Gerade bei Aufnahmen aus der Distanz. Ärgerlich ist auch die reisserische, überbetonte musikalische Untermalung. Die unheilvollen Sounds und düsteren Klangbilder wollen so gar nicht zur tragischen Handlung passen und hätten sich in einem klassischen Thriller oder Horrorfilm besser gemacht.

20.06.2019

3

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Kommentare

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wbschwery

vor einem Jahr

nur ok


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