Ein geliebter Feind Italien 2018 – 97min.

Ein geliebter Feind

Filmkritik

Eine Hand wäscht die andere

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Zwischen Bari und Gstaad geschehen Dinge, die schier mörderisch, aber auch komisch sind: Enzo Stefanelli, Professor der Astrophysik, rettet Salvatore, einen Killer der Mafia, und der will sich revanchieren, heisst etwas Gutes tun, und den schlimmsten Feind des Retters aus dem Weg räumen. Denis Rabaglia (Azurro) hat einen rabenschwarzen, familiären Thriller mit Augenzwinkern inszeniert.

Feinde gäbe es überall und immer wieder, meint einer, der sie berufsmässig aus dem Weg räumt. Er hätte keine Feinde, entgegnet der edle Mann aus Bari, Professor Enzo Stefanelli, einem Mann, der sich nicht als Feind, sondern als hilfsbereiter Freund entpuppt. Und das kam so: Besagter Enzo (Diego Abatantuono), ein stattlicher Akademiker von edlem Gemüt, liest auf der Strasse einen verletzten Mann mit Schusswunde auf, der absolut keine Polizei und nicht ins Spital will. Irgendwie kriegt der Professor die steckengebliebene Kugel zu fassen und päppelt den fremden Gast auf. Am nächsten Tag sind «Patient» und Auto weg. Auf Nimmerwiedersehen? Denkste, denn Salvatore (Antonio Folletto), der sich als Mafia-Killer outet, bringt den Wagen zurück und will die Hilfe Enzos «honorieren», heisst dessen schlimmsten Feind eliminieren.

Und da sind wir beim Punkt: Der Professor will niemandem Böses, dabei wissen wir es als Zuschauer besser. Es gibt jede Menge Kandidaten (Feinde). Von der Familie der Mutter über den Bruder und falschen Priester hin zum Enkel, Rektor und Kollegen – es wimmelt von «Blutsaugern», Nutzniessern und Neidern. Doch als Salvatore seine Tochter «erobert», lässt sich Enzo zu einer Aktion und Reise nach Gstaad umstimmen.

Nach dem Motto «Eine Hand wäscht die andere» lässt Denis Rabaglia (Regie und Buch zusammen mit Heidrun Schleef und Luca De Benedittis) die Akteure tanzen. Dabei zieht einer die Fäden, der dem Gutmensch Enzo ganz verwandt ist. Der Clan der Parasiten, Betrüger und Lügner, so viel sei verraten, wird entlarvt und bestraft.

Rabaglias familiärer Thriller mit Augenzwinkern hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Die Idee dazu gab ursprünglich der polnische Filmer Krzysztof Zanussi im Jahr 2004. Erst um 2011 nahm Rabaglia den Stoff vom Killer und seiner Gegenleistung wieder auf. Die Konstellation animierte den schweizerisch-italienischen Filmer zu einer schwarzen Komödie, in dem «eine gefährliche, moralisch heikle Situation auf amüsante Weise» beschrieben wird (Rabaglia). Der Plot, im winterlich-romantischen Gstaad inszeniert, spielt mit Gangster-Klisches und mündet in einem Coming-Out à la Agatha Christie, hier allerdings stumm.

Rabaglia gelang ein Schelmenstück mit überraschenden Wendungen, wobei seine Helden, Antonio Folletto als verführerisches Schlitzohr Salvatore und Diego Abatantuono als schwergewichtiger Dulder Enzo, die boshafte Entlarvungsstory brillant tragen. Die italienisch-schweizerische Koproduktion (Turnus Film Zürich mit Michael Steiger) ist ein kleines und feines Kinointermezzo. Hinterhältig vergnüglich.

19.12.2018

4.5

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Kommentare

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MaraRi12

vor 3 Monaten

ein Film zum geniessen. Toller italienischer Humor und schöne Filmkulissen. Das Ende gefiel mir sehr gut.


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