Transit Frankreich, Deutschland 2018 – 101min.

Transit

Filmkritik

Im Früher geflüchtet, im Heute gestrandet

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Heimatlose von Gestern und Heute: In Christian Petzolds experimentellem Flüchtlings-Drama Transit verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart.

Frankreich 1942: Gerade noch rechtzeitig gelingt dem aus einem Arbeitslager geflohenen Georg (Franz Rogowski) die Reise von Paris nach Marseille. Jedoch hat dort nur derjenige ein Aufenthaltsrecht, für den die Hafenstadt eine Durchgangsstation ist. Dies trifft auf Georg zu, wenn auch unter falschem Vorwand: Denn er hat die Papiere eines toten Schriftstellers bei sich, dem ein mexikanisches Visum zugesichert wurde. In Marseille gibt sich Georg als Weidel aus und darf bleiben. Kurz darauf trifft er auf die geheimnisvolle Marie (Paula Beer), die jemanden zu suchen scheint. Sie beginnen eine Affäre, die unter keinem guten Stern steht.

Transit beruht auf dem teils autobiografischen Roman der Schriftstellerin Anna Seghers. Er entstand, als sich Seghers 1941 selbst im Exil aufhielt. Erstmals wurde der Roman 1944 veröffentlicht. Die Verfilmung übernahm der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold (Barbara). Seine Weltpremiere erlebte Transit, der an Originalschauplätzen in Marseille entstand, auf der diesjährigen Berlinale.

In Transit geht es um Heimatlose und Geflüchtete, für die der jeweils aktuelle Aufenthaltsort nur Durchgangsstation ist. Dieses Schicksal teilt Protagonist Georg im Frankreich der 40er-Jahre mit einem Grossteil heutiger Flüchtlinge: Sie alle halten sich zeitlich begrenzt in Transitzonen auf. Unabhängig davon, ob es sich dabei um ganze Staaten, eine Stadt (im Fall von Georg) oder eine heruntergekommene, überfüllte Flüchtlingsunterkunft im Jahr 2018 handelt.

So schlägt Petzold auf gelungene Weise den Bogen in die Gegenwart und zur aktuellen Flüchtlingskrise. Zumal in seinem Film, der von einem leidenschaftlich aufspielenden Franz Rogowski getragen wird, ohnehin Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen: So wird Franz in Paris zwar von Nazis gejagt, nach seiner Ankunft in Marseille scheint er sich aber in der Gegenwart zu befinden. Denn in Sachen Ausstattung und Kulissen deutet im weiteren Verlauf nichts auf eine Verortung im Zweiten Weltkrieg hin. Im Gegenteil: Zu sehen sind unter anderem Flat-Screens und moderne Autos.

Dramaturgisch und inhaltlich tritt das Drama leider häufig auf der Stelle. Verantwortlich dafür sind unter anderem Georgs ständige Botschafts- und Konsulatsbesuche, die auf Dauer ermüden. Und auch wenn Paula Beer als mysteriöse Fremde, die Georg zu verfolgen scheint, Akzente setzen kann, so springt der Funke zwischen den beiden in Marseille Gestrandeten nicht wirklich über. Und zuletzt zeichnet sich auch für diejenigen, die das Buch nicht kennen, leider ziemlich schnell ab, um wen es sich bei Marie in Wahrheit handelt.

31.05.2018

3

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

The Nun

Book Club - Das Beste kommt noch

Searching

Das Haus der geheimnisvollen Uhren