The Silence Deutschland, USA 2018 – 91min.

The Silence

Filmkritik

Ohne Worte

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

John R. Leonetti, der als Regisseur bislang anspruchslose Horrorfilme wie Annabelle und Wish Upon verantwortete, landet auch mit dem prominent besetzten Endzeitthriller The Silence keinen grossen Wurf. Einmal mehr gibt es vor allem Standardsituationen zu sehen.

Bei ihrem Vorstoss in ein unerforschtes Höhlensystem in Nordamerika setzen Wissenschaftler versehentlich eine aggressive Spezies frei, die schon bald unter dem Namen „Avispa“ – das spanische Wort für Wespe – Angst und Schrecken verbreitet. Die blinden fledermausartigen Kreaturen haben ein ausgeprägtes Hörvermögen und fallen bevorzugt über grosse, lärmintensive Städte her. Hugh Andrews (Stanley Tucci), seine Ehefrau Kelly (Miranda Otto), ihre gehörlose Tochter Ally (Kiernan Shipka), ihr Sohn Jude (Kyle Breitkopf) und Grossmutter Lynn (Kate Trotter) verlassen entgegen dem Rat der Behörden ihr Haus und fliehen gemeinsam mit Hughs bestem Freund Glenn (John Corbett) aufs Land, wo es – so glauben sie – weniger gefährlich ist. Auch in der Pampa sind sie jedoch vor den mörderischen Geschöpfen nicht sicher. Und noch dazu erkennen sie irgendwann, dass im allgemeinen Chaos auch andere Menschen zu einer ernsthaften Bedrohung werden.

The Silence klingt verdächtigt nach einem Abklatsch von John Krasinskis dystopischem Schocker A Quiet Place, der im April 2018 die Leinwände im Sturm eroberte. Tatsächlich basiert Leonettis neue Regiearbeit allerdings auf dem gleichnamigen Buch des Schriftstellers Tim Lebbon, das bereits 2015 in den Handel kam. Den angesichts der sehr ähnlichen Prämisse unabwendbaren Vergleich entscheidet der erstgenannte Film klar für sich, da er die nonverbale Kommunikation konsequenter durchexerziert und um einiges packender ausfällt.

Die Romanadaption The Silence entwirft ihre Figuren skizzenhafter und kümmert sich arg halbherzig um Allys besondere Art der Wahrnehmung. Der zunehmend verzweifelte Überlebenskampf lässt den Betrachter zwar nicht kalt. Um tief unter die Haut zu gehen, hätten sich die Macher aber noch stärker auf die innerfamiliären Dynamiken konzentrieren müssen. Die meiste Zeit setzt sich das Geschehen aus altbekannten Endzeit-Versatzstücken zusammen, sodass die Spannungskurve nur selten deutlich nach oben ausschlägt. Handwerklich unterlaufen Leonetti keine allzu grossen Peinlichkeiten. Von aussergewöhnlichen Bildern ist der in entsättigte Farben getauchte postapokalyptische Streifen allerdings meilenweit entfernt. Grund zum Ärgern gibt es vor allem im lieblos-schlampig abgewickelten Finale, das den Anschein erweckt, als hätten die Beteiligten plötzlich jegliche Lust an der Geschichte verloren.

14.05.2019

2.5

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Kommentare

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Taz

vor 2 Tagen

Fand den spannend, auch wenn nicht ganz auf der Höhe von Bird Box oder A Quiet Place. Mit dem Auftauchen des Kults um den Priester hat man aber eine Chance für interessantes vergeben.


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