The Happy Prince Deutschland 2018 – 108min.

The Happy Prince

Filmkritik

Fieberwahn und Totentanz: Hommage an einen Freigeist

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Rupert Everett beleuchtet in seinem fesselnden Biopic über Oscar Wilde des grossen Schriftstellers schwierige letzte Jahre.

„Hoch über der Stadt auf einer schlanken Säule stand die Statue des Glücklichen Prinzen. Sie war über und über mit feinem Blattgold belegt und anstelle ihrer Augen funkelten zwei Saphire…“: Einem Märchen von Oscar Wilde verdankt Rupert Everetts erster Film auch als Regisseur seinen Titel. Dieses erzählt, wie ein einst stolzer Prinz als Statue das Elend der Menschen entdeckt und sich mit der Hilfe einer Schwalbe zum Wohltäter wandelt. Wilde hat die Geschichte Mitte der 1880-Jahre für seine zwei Söhne geschrieben und beginnt sie ihnen im Film vorzulesen. Er erzählt sie in anderen Situationen anderen Menschen weiter und so wird sie zum roten Faden der Handlung, die knapp zehn Jahre später erst einsetzt: 1895 wegen „Unzucht“ und „Sodomie“ (eigentlich: sexuelle Handlung zwischen zwei Männern) zu zwei Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt worden, setzte sich Wilde nach seiner Entlassung 1897 aus England ab.

Er verbringt seine letzten Jahre verarmt und in Ungnade gefallen unter dem Pseudonym Sebastian Melmoth auf dem europäischen Festland; Unterstützung erhält er von einigen wenigen letzten Freunden, unter ihnen sein erster Geliebter und Anwalt Robert Ross, der Journalist Reginald Turner, nicht zuletzt Lord Alfred „Bosie“ Douglas, ein junger und verwöhnter Schönling aus gutem Hause, mit dem Wilde eine fatale Beziehung verbindet. Nachdem Wilde sich drei Jahre notdürftig durchgeschlagen hat, liegt er im November 1900 todkrank in einem schmierigen Hotel in Paris. Derweil man einen Arzt und einen Priester ruft, verliert er sich in fiebrigen Träumen, aus denen sich sein Leben erschliesst: die wilden Nächte junger Jahre, in denen er Londons Halbwelt mit seiner Extravaganz und Eloquenz begeisterte, die Reisen durch die USA und Kanada, wo er stürmisch gefeiert wird, seine Ehe mit Constance, die ihn vergöttert, aber unter seiner Homosexualität leidet. Nicht zuletzt: seine Affinität für junge Männer, die ihn beflügelt, aber ins Unglück stürzt.

Rupert Everett ist selber in Wildes Rolle geschlüpft und hat unter anderem mit Emily Watson, Colin Firth und Colin Morgan ein grossartiges Ensemble um sich versammelt. Er präsentiert mit seiner ersten Arbeit als Regisseur einen Film, der sich in seiner splitterhaften Erzählweise und einem leichten Hang zur Theatralik ausnimmt wie ein dichter Strauss bunter Blumen. Letztlich aber ist The Happy Prince die fesselnde Biographie eines grossen, auch grossherzigen, das Leben über alles liebenden Freigeists und begnadeten Künstlers, der 2017 durch das Inkrafttreten des Alan Turning Law endlich rehabilitiert wurde.

16.05.2018

4

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