The Guilty Dänemark 2018 – 85min.

The Guilty

Filmkritik

Ist nicht jeder ein bisschen schuldig?

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

„Show, don’t tell“ lautet die oberste Regel eines jeden Films. The Guilty hebelt diese Regel jedoch auf brillante Art und Weise auf. Denn hier gibt es nichts zu sehen – ausser das eindringliche Schauspiel von Jakob Cedergren, auf dem die Kamera fast durchgehend in Grossaufnahme verharrt.

Asger leistet Dienst in der Notrufzentrale, als die junge Frau Iben anruft. Sie ist entführt worden, befindet sich in einem Auto und hat keine Ahnung, wo es hingeht. Dann wird die Verbindung unterbrochen. Asger setzt alles daran, herauszufinden, wo Iben ist, und ihr zu helfen. Je länger sich die Situation hinzieht, desto drängender und gefährlicher wird sie, weil auch immer undurchsichtiger wird, was gerade vor sich geht. Für Asger, dessen Leben selbst aus dem Ruder zu laufen droht, wird der Einsatz zur hochemotionalen Tour de Force, bei der er nur noch ein Ziel verfolgt: Ibens Leben zu retten.

In Echtzeit erzählt, ist The Guilty ein extrem intensiver Film, der von seiner Wirkungsweise einem Buch ähnlich ist. Denn ebenso wie die Hauptfigur erfährt man nur über das Telefon, was sich tut und wie sich dieser Fall entwickelt. Während man eine Beziehung zu den Menschen aufbaut, mit denen Asger spricht, malt die eigene Phantasie aus, was diesen gerade passiert. Und wie Asger ist man sehr schnell sicher, dass man weiss, was sich hier abspielt. Aber wenn man nur das hat, was man hört, und sich den Rest ausmalen muss, dann kann es die eigene Phantasie sein, die einem einen Streich spielt. Weil die Figuren so aussehen, wie man sich das vorstellt – und das wiederum stärkt die Wahrnehmung dessen, wie sich diese Geschichte entwickelt.

Ein Film wie The Guilty könnte sehr leicht scheitern, dieses Kammerspiel ist jedoch in seiner Intensität imposant. Weil man miterlebt, wie sich die Menschen entwickeln, mit denen Asger spricht – mehr aber noch, weil er eine Entwicklung durchmacht, die eindringlich ist. Die volle Klaviatur der Gefühle wird hier bedient. Man bangt mit, man ist traurig, wütend, frustriert.

The Guilty – der Titel ist feinsinnig, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigt – ist ein Meisterwerk, das eine Übung in Sachen Minimalismus ist, aber zeigt, wie wenig es braucht, um den Zuschauer voll und ganz in den Bann zu ziehen: Ein exzellentes Skript, einen gewieften Regisseur und einen mutigen Schauspieler, der die Herausforderung meistert, praktisch alleine im Fokus der Geschichte zu stehen. Der mehrfach auf Festivals preisgekrönte Thriller ist ganz grosses Kino, das den Zuschauer wie kaum ein anderer Film involviert.

15.10.2018

5

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Kommentare

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nick74

vor 22 Tagen

War gut, aber kein Meisterwerk


meinrad.zuend

vor 25 Tagen

Die Vorstellungskraft der Zuschauer ist gefordert. Es gibt nur einen (sichtbaren) Hauptdarsteller in nur einem Raum. Die Tragik der Geschichte wird immer greifbarer (zum Glück nicht sichtbar). Spannend bis ganz zum Schluss . . .


7000

vor einem Monat

grossartig!


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