The Fall of the American Empire Kanada 2018 – 128min.

The Fall of the American Empire

Filmkritik

Geld regiert die Welt?

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Wer die Werke von Denys Arcand kennt, der weiss, dass der aus Quebec stammende Filmemacher sich immer schon auch für politische und sozialrelevante Themen interessiert hat. Dem trägt er auch in seinem neuesten Werk Rechnung, mit dem er nicht nur Systemkritik betreibt, sondern auch zeigt, wie leicht selbst ein prinzipientreuer Mann der Verführung des Geldes erliegen kann.

Kapitalismusgegner zu sein, ist leicht – zumindest dann, wenn man eh kein Geld hat. So war es für Pierre-Paul (Alexandre Landry) nie eine Frage, dass er gegen Konsum und Kommerz ist. Aber dann kommt er an massenhaft Geld und erliegt der Verführung, sich damit ein paar Annehmlichkeiten zu leisten. Es stellt sich die Frage: Was machen mit dem vielen Geld? Und das umso mehr, da Pierre-Paul schon bald feststellen muss, dass nicht nur die Mafia und das Finanzamt, sondern auch zwei Polizisten hinter ihm und seinem neuen Reichtum her sind. Ta trifft es sich doch gut, dass er auf die Hilfe eines aus dem Knast entlassenen Finanzgenies (Rémy Girard) zurückgreifen und das System mit seinen eigenen Waffen schlagen kann…

Die stärkste Waffe, derer sich Arcand bedient, ist sein unglaubliches Gespür für Dialoge. Sie triefen vor Sarkasmus, sie sind clever und pointiert, und sie regen zum Nachdenken an. Mit Dialogen ist Arcand ebenso virtuos wie Quentin Tarantino, nur dass er seine mit mehr Tiefgang und Inhalt aufladen kann. Das macht auch diesen Film zu einem immensen Vergnügen, zumal Arcand ein Ensemble versammelt hat, das nicht auf besondere Meriten zurückblicken kann, aber ausgezeichnet ist. Arcand hat auch ein Händchen dafür, die richtigen Schauspieler in den richtigen Rollen zu besetzen – und mit seinen Dialogen kitzelt er aus ihnen Höchstleistungen heraus.

Arcand erzählt mit einer imposanten Leichtigkeit, obwohl seine Themen so gross und schwer sind. Er erzählt von einer Gesellschaft, in welcher der Konsum der Empathie die Luft abgedrückt hat, die von Tag zu Tag kälter wird und das verliert, was man als Menschlichkeit bezeichnet. Der Film funktioniert dabei nach den Erzählmustern eines Thrillers, hat aber auch sehr komische Momente. Er ist in der Beziehung tonal uneins, aber er erhebt das zur Kunstform.

Letzten Endes präsentiert Arcand einen Film, der zwar locker und leicht erzählt ist und bestens unterhält, der den Zuschauer aber tiefer trifft und ihn herausfordert, sich selbst, das eigene Leben, aber auch seine Umwelt in Frage zu stellen. Denn man muss kein Idealist wie Pierre-Paul sein, um die Welt zu einem klein wenig besseren Ort zu machen.

07.08.2019

4

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