The 15:17 to Paris USA 2018 – 94min.

The 15:17 to Paris

Filmkritik

Sie wollen doch nur helfen

Julian Gerber
Filmkritik: Julian Gerber

Nachdem Clint Eastwood bereits mit seinem letzten Film Sully einen amerikanischen Heldenepos auf die Leinwand gebracht hat, versuchte er sich nun an der realen Geschichte dreier Freunde, die im August 2015 im Zug von Amsterdam nach Paris einen Terroranschlag verhinderten und sich in The 15:17 to Paris gleich selbst spielen.

Alek Skarlatos, Anthony Sadler und Spencer Stone sind seit Kindheitstagen beste Freunde. Auffällig in der Schule, waren sie schon damals fasziniert vom Krieg und lieferten sich mit ihren Airsoft-Gewehren unerbittliche Kämpfe. Im richtigen Leben angekommen, müssen sie jedoch feststellen, dass der Militärdienst nicht das für sie bereithält, was sie sich vorgestellt haben: Während sich Skarlatos in seinem Afghanistan-Einsatz langweilt, bringt es Stone in der Armee trotz sämtlicher Bemühungen auf keinen grünen Zweig – dabei will er doch nur helfen. Diese Chance sollte sich den Dreien aber noch bieten: Auf einem gemeinsamen Trip durch Europa passiert das Unvorhersehbare und die drei Freunde werden Zeuge, wie sich im Zug von Amsterdam nach Paris ein Terroranschlag ereignet. Doch anstatt sich ihrem Schicksal zu ergeben, greifen die Amerikaner ein und machen den schwer bewaffneten islamistischen Angreifer unschädlich. Eine Heldentat, die vom damaligen Präsidenten François Hollande mit dem französischen Verdienstorden der Ehrenlegion belohnt wurde.

Mit The 15:17 to Paris macht Clint Eastwood munter da weiter, wo er in American Sniper und Sully aufgehört hat: Der Altmeister scheint dem Heldenkult verfallen zu sein. Und diese Helden dürfen sich in seinem neuesten Werk dann auch gleich selbst spielen. Die Prämisse mag spannend tönen, der Film ist es jedoch über weite Strecken nicht. Zu lange wird versucht, irgendeine halbwegs plausible Vorgeschichte zusammenzuschustern und diese mit Bedeutung aufzuladen: Es geht um Zusammenhalt und den Willen, für sein Land einzustehen. Doch zu diesem Zeitpunkt geht es wenigstens noch um etwas, denn was nachher folgt, könnte belangloser nicht sein. Eine horizontbefreite Rundreise durch Europa, die wie ein Ferienvideo anmutet – mit dem feinen Unterschied, dass in einem richtigen Ferienvideo wenigstens die Dialoge authentisch sind, und auch so daherkommen.

Auch die eigentliche Heldentat kann den Film nicht mehr retten – zu banal erscheint das zuvor Gesehene. Zwar bietet die Rettungsaktion noch einiges an Dramatik, doch schafft es auch diese nicht, die eigentliche Tragweite des mutigen Einschreitens rüberzubringen. Das liegt hauptsächlich an Eastwoods Schwarz-Weiss-Darstellung von Gut und Böse: Ein klischiertes Feindbild und Spencer Stone, der zu Gott betet "Mach mich zu einem Werkzeug des Friedens", tragen ihr Übriges dazu bei.

17.04.2018

2

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Monaten

Kommt als City-Trip Movie unter Kumpels inklusive Hangover und als Heldenepos daher.Das die Hauptfiguren von den Helden selbst gespielt wird,kommt sicher Orginäl& Speziell daher wirkt aber auch Bemüht .Trumpfen kan das Movie durch die Kinder Darstellern,City-Aufnahmen sowie dem Soundtrack.Daher gibts von mir gute 3.1/2 Sterne von 5.Mehr anzeigen


nick74

vor 3 Monaten

Habe mir mehr erwartet, wahr mir etwas zu sehr ein Touristenwerbefilm.


dulik

vor 3 Monaten

Mit „Sully“ gelang es Clint Eastwood zuletzt eine wahre Begebenheit, deren Ablauf durch die Medien bereits bekannt war, spannend und packend zu verfilmen. Mit „The 15:17 to Paris“ ist ihm dies leider nicht mehr geglückt. Um auf die minimale Lauflänge von 90 Minuten zu kommen, hat man die halbe Lebensgeschichten der drei Hauptcharaktere aufgegriffen. Diese sind erstens kaum interessant und zweitens ist es nicht dies, was man sich hier erwartet und auch erhoffen darf. Mit der Heldentat im Zug, welches eigentlich die Haupthandlung sein sollte, befasst sich der Film weit weniger als zehn Minuten. Und wenn es dann nach 80 Minuten endlich soweit ist, hat man eigentlich gar keine Lust mehr dies zu sehen, zumal durch den abrupten Wechsel auch kaum Spannung aufkommen mag. Punkte gibt es für die dennoch solide Machart und das erstaunlich gute Schauspiel der drei Hauptdarsteller, welche alle sich selbst gespielt haben.
5/10Mehr anzeigen


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