Teret – Die Fracht Kroatien, Frankreich, Iran, Katar, Serbien 2018 – 96min.

Teret - The Load

Filmkritik

Reise durch die Hölle

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Teret - The Load lässt den Kinobesucher die Schrecken des Kosovokriegs aus ungewöhnlicher Perspektive erleben. Mittendrin: Ein Transportwagenfahrer, der eine ominöse Fracht vom Kosovo nach Belgrad transportieren muss.

Seit kurzem verdingt sich Vlada (Leon Lucev) im Balkankrieg als Fahrer. Was er transportiert, weiss er nicht. Auch das genaue Ziel ist zunächst unklar. Sein Auftrag: Die Ladung ohne Stopp unversehrt abzuliefern. Unterwegs gabelt er einen Jugendlichen auf, der den Kosovo verlassen will. Paja (Pavle Cemerikic) möchte sein Glück in München versuchen. Vlada und Paja bilden eine Fahrgemeinschaft der aussergewöhnlichen Art, während sie die von Bombenkratern übersäten Landstriche des Kosovo durchqueren.

Teret- The Load spielt im Frühjahr 1999, als die NATO ihre Luftangriffe auf die Bundesrepublik Jugoslawien begannen. Regisseur Ognjen Glavonic und sein Team drehten zu weiten Teilen im heutigen Serbien. Der 33-jährige Regisseur legt mit Teret - The Load sein Langfilmdebüt vor. Weltpremiere erlebte der Film bei den Filmfestspielen von Cannes im vergangenen Jahr.

Glavonic nimmt den Zuschauer mit auf eine gespenstische Fahrt durch kriegszerstörte Gebiete. Sein Film spielt mitten im Krieg und handelt von kriegsmüden, emotional ausgezehrten Menschen – und doch zeigt er keinerlei Kampfhandlungen oder Bombardierungen. Lediglich die Folgen. Für Mensch und Natur. Der Grad der Zerstörung zeigt sich an den Häuserruinen, brennenden Autos und menschenleeren Ortschaften, die Vlada und Paja passieren. Eine Fahrt geradewegs durch die Hölle. Rund die Hälfte des Films spielt dabei im Inneren des Fahrzeugs. Eine Art dialogarmes Kammerspiel auf vier Rädern.

Überhaupt ist Teret - The Load in seiner gesamten Machart, im Stil und in Sachen Dramaturgie reduziert. Inhaltlich passiert nicht viel, lediglich zwei Protagonisten stehen im Mittelpunkt, und auch was es genau mit der titelgebenden „Ladung“ auf sich hat, bleibt unklar (allerdings: man kann es sich denken). Vielmehr ist Teret - The Load ein Film der Andeutungen und versteckten Hinweise. Auf die Vergangenheit von Vlad, Paja und auf das Land, das sie durchqueren. Das zwingt den Zuschauer zum konzentrierten Hinsehen und Reflektieren.

Zwei weitere Aspekte sind es, die Teret - The Load von vielen anderen, dokumentarischen (Glavonic filmt mit der Handkamera oft direkt über Vlads Schulter) Nachkriegs-Dramen und Filmen über den Kosovokrieg unterscheidet. Leon Lucev ist ein herausragender Hauptdarsteller, der seiner wortkargen, reserviert auftretenden Figur Würde und Charakter verleiht. Und dann wäre da noch die beklemmende, an Trostlosigkeit kaum zu überbietende Optik. Die Bilder sind grau, düster, nebelverhangen – und stehen somit stellvertretend für die verzweifelte Stimmung der vom Krieg unmittelbar betroffenen Menschen.

13.05.2019

4

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