Red Joan - Geheimnis Eines Lebens Grossbritannien 2018 – 110min.

Red Joan - Geheimnis Eines Lebens

Filmkritik

Ein aufgewärmtes Geheimnis

Noëlle Tschudi
Filmkritik: Noëlle Tschudi

Grossbritannien im Jahr 2000: Als der 87-jährigen Engländerin Joan Stanley (Judi Dench) ein unverhoffter Besuch vom MI5 abgestattet wird, nimmt ihr unauffälliges Rentnerdasein ein jähes Ende.

Als junge Frau studiert Joan (Sophie Cookson) in den 1940er-Jahren Physik in Cambridge, verfällt augenblicklich dem Charme des gleichermassen anziehenden als auch manipulativen Kommunisten Leo Galich (Tom Hughes) und sieht so fortan einiges mit anderen Augen. Nur wenige Jahre später arbeitet sie während des Zweiten Weltkrieges für ein geheimes Nuklear-Forschungsprojekt und begreift, dass die Welt im Kräftemessen zwischen Ost und West kurz vor der gegenseitigen Zerstörung ist. Es gilt, eine schwere Entscheidung zu treffen und gegebenenfalls ihr Land und ihre Liebe für den Frieden zu verraten.

Rund 60 Jahre später sieht sich Joan Stanley nun mit einem Verhör konfrontiert, in dem die lang geheim gehaltene Wahrheit darüber, dass sie die Sowjetunion über streng geheim gehaltene Ergebnisse der britischen Atombombenforschung informiert hat, ans Licht gebracht werden soll – und so erzählt die betagte Dame in Anwesenheit ihres Sohnes von ihrer aussergewöhnlichen Vergangenheit. Zahlreiche Rückblenden lassen ihr Geständnis für den Zuschauer greifbar werden. Szenen aus der Gegenwart der immergleichen Verhörsituation tragen als statisch wirkende Rahmenhandlung hingegen kaum etwas zum Fortgang des Plots bei. Tatsächlich mag sich der ein oder andere Zuschauer gerade in diesen Momenten aus der eigentlichen Handlung herausgerissen fühlen – wäre da nicht eine Judi Dench, der bedauerlicherweise deutlich weniger Spielzeit als Sophie Cookson eingeräumt wurde.

Trevor Nunns Spionagedrama, welches auf dem gleichnamigen, von realen Ereignissen inspirierten Roman von Jennie Rooney basiert, kommt leider nur langsam in Fahrt und nimmt erst in den letzten Zügen an Spannung auf. Wer sich für die reale Geschichte der “Red Joan” interessiert, bei der es sich in Tat und Wahrheit um die Sekretärin Melita Norwood handelt, die als überzeugte Kommunistin agierte und dafür sorgte, dass den Sowjets Details über den Bau der britischen Atombombe in die Hände fielen, der dürfte an Trevor Nunns Drama Red Joan kaum Gefallen finden.

Nervenkitzel, wie man ihn von einem Spionage Thriller erwarten dürfte, ist ebenfalls nur selten zu spüren, und Joans Liebesbeziehungen werden dermassen in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, dass es beinahe schon schmerzt – einerseits da ihre Spionagetätigkeit dabei grösstenteils untergeht, andererseits, weil sich wohl so manch ein Zuschauer, der mit Rooneys Roman nicht vertraut ist, mit einer gänzlich anderen Erwartungshaltung ins Kino begeben dürfte. Red Joan erweist sich somit als Spionagedrama, das trotz spannender Hintergrundgeschichte mit einem Hauptaugenmerk auf Liebeleien einer der einst wichtigsten sowjetischen Spioninnen in Grossbritannien flach ausfällt.

17.06.2019

3

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Kommentare

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as1960

vor 4 Monaten

"Red Joan" zeigt die ansich spannende Geschichte einer britischen Spionin, welche den Russen geheime Informationen zur Atombome zukommen liess. Leider ist die Umsetzung etwas gar konventionell geblieben, und die Frage, ob die gute Absicht der Protaginstin ihr Handeln rechtfertigt wird leider nicht wirklich thematisiert. Judi Dench & Sophie Cookson heben den Film übern den Durchschnitt.

Judi Dench & Sophie CooksonMehr anzeigen


nick74

vor 4 Monaten

Beeindruckende Geschichte


Patrick

vor 4 Monaten

Judi Dench & Sophie Cookson spielen grandiose und sie verschmelzen gekonnt in eine Person,genauso gekonnt verschmelzen sich die Gegenwarts und Vergangenheits Szenen ineinander.Red Joan ist ein stimmiger & Ruhiger Agenten Film.


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