Life Itself USA 2018 – 118min.

Life Itself

Filmkritik

Die (unerträgliche) Schicksalshaftigkeit des Seins

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Dan Fogelman erzählt von der einen berühmten Sekunde, welche das Leben verschiedener Menschen für immer fatal verändert. Leider bleibt sein starbesetztes Patchwork-Drama dabei über weite Strecken in einer kitschig-klischierten Oberflächlichkeit hängen.

Ein Film in fünf Kapiteln. Das erste spielt in New York und dreht sich um einen Autor, der – weil ihm die Therapie nicht weiterhilft – sein Trauma um den Verlust seiner grossen Liebe in einem Drehbuch zu überwinden versucht. Das zweite erzählt von Dylan, in deren Leben sich der Tod von Geburt an derart heftig einschreibt, dass sie sich als junge Frau ihre Aggression in rotzigen Punksongs von der Seele schreit und am Ende einer schlaflosen Nacht niedergeschlagen auf einer Bank in Manhattan sitzt.

Nun verlegt sich der Schauplatz abrupt nach Spanien. Von Migration, Olivenöl, der Einsamkeit eines Grossgrundbesitzers wird nun erzählt, auch von einem einfachen Farmer, der, um seiner Frau ein angenehmes Leben zu ermöglichen, mit selbigem Grossgrundbesitzer einen Deal eingeht, den er später bitterlich bereut. Lange Zeit ist dabei nicht klar, was die verschiedenen Geschichten verbindet. Als sie schliesslich doch zusammenfinden, wirkt das leider nicht nur ziemlich erzwungen, sondern verhilft auch einer bisher latent schwärenden Gefühlsdusseligkeit zum Ausbruch.

Life Itself – der Titel tönt es an – ist gross angedacht als ein Generationen, Nationen und Kontinente umfassendes Patchwork-Drama. Dan Fogelman erzählt in weitem Bogen und mit vielen Umwegen. Dabei sind die einzelnen Episoden, die sich in Tonfall und Erzählweise voneinander absetzen, für sich genommen nicht schlecht. Auch hat Fogelman, der bisher vor allem als Drehbuchautor (Cars, Crazy, Stupid Love) und Schöpfer angesagter TV-Serien wie «The Neighbors» und «This Is Us» auf sich aufmerksam machte, Zugriff auf eine Starbesetzung. Die Schauspieler spielen durchs Band glänzend: Oscar Isaac überzeugt als verzweifelter Drehbuchautor ebenso wie Antonio Banderas, der als betuchter Olivenhain-Besitzer die Frau eines anderen begehrt; zu Anette Benning würde man gern selber in die Psychotherapie gehen und Olivia Cooke zeigt sich als rebellische Punkerin von erfrischend frecher Seite.

Insgesamt allerdings überzeugt Life Itself weniger. Die Vielzahl angerissener Themen und Storys führt zu einer gewissen Oberflächlichkeit, die Fogelman reihenweise mit Klischees belädt. Was umso bedauerlicher ist, als es ihm deswegen auch nicht gelingt, diesem Film, der erklärterweise aufzeigen möchte, dass die Leben aller Menschen schicksalhaft zusammenhängen, eine verbindende Tonalität zu verleihen.

28.12.2018

2.5

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Kommentare

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Beat_C

vor 10 Monaten

Einfach nur peinlich. Schade um die tollen Schauspieler.


nick74

vor 10 Monaten

Hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich mit Bob Dylan nichts anfangen kann.

Silly Symphony

vor 10 Monaten

Ich kann mit Bob Dylan auch nichts anfangen - umso mehr haben mir die frechen Kommentare des einen Protagonisten gefallen, der sich gnadenlos über Dylans gesanglichen "Fähigkeiten" lustig macht!


Silly Symphony

vor 10 Monaten

Don't belive the critics!
Ein unglaublich gut geschriebener, die Grenzen der üblichen Filmdramaturgie sprengender, beglückender und anregender Film, der das Erzählen zum zentralen Thema macht. Grandios, mit zahlreichen (nicht immer schönen) Ueberraschungen.
Schade, dass einem am Schluss noch eine Moral aufs Auge gedrückt wird - das hätt's wirklich nicht gebraucht. Aber bis dahin: Ein tolles Kinoerlebnis!
Nichts für Leute, die den konventionellen Erzählstil vorziehen oder nur zum Abschalten ins Kino gehen.Mehr anzeigen


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