Le Grand Bain – Ein Becken voller Männer Belgien, Frankreich 2018 – 122min.

Le Grand Bain – Ein Becken voller Männer

Filmkritik

Gehst du noch unter oder schwimmst du schon?

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Männer, die sich in einer Lebenskrise dem Synchronschwimmen zuwenden, scheinen auf Grossleinwand zurzeit ein beliebtes Thema zu sein: Nachdem in Swimming with Men England seinen Versuch wagte, trauen sich in Gilles Lellouches Komödie Le Grand Bain – Ein Becken voller Männer nun die Franzosen ins Wasser.

Eine Midlife-Crisis kann jeden treffen – so auch Bertrand (Mathieu Amalric), der seit einiger Zeit nicht mehr arbeiten gehen kann und dessen gesamtes Tagesprogramm laut seinen Kindern aus Candy Crush auf dem Sofa besteht. Wie sich später herausstellt, leidet der Mittvierziger an einer schweren Depression, die ihm sämtliche Lebensgeister zu rauben scheint.

Als er eines Tages per Zufall eine Gruppe von Männern entdeckt, die sich regelmässig im Schwimmbad trifft, um Synchronschwimmen zu üben, zeichnet sich für den durchschnittlichen Mann ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab: Denn die Truppe stellt sich als bunter Haufen mit jeglicher Art von Problemen heraus, die dank des Trainings im Wasser aber zumindest zeitweise vergessen gehen. Vor allem, als der Mannschaft eine Teilnahme an der internationalen Synrchonschwimm-Weltmeisterschaft für Männer offensteht.

Eine verlockende Idee, wie auch Delphine (Virginie Efira), die Trainerin der Mannschaft und ehemalige Profisynchronschwimmerin feststellt und Zeugin ist, wie die ungleiche Gruppe voller stolz ihre Anmeldung abschickt. Doch der Weg zur tatsächlichen Teilnahme ist schwer und steinig, auch weil sich immer mehr Hindernisse und Probleme hervortun – nicht nur bei den Männern, die sich mit einem drohenden Konkurs, sich entfremdeten Kindern, einem schwierigen Verhältnis zur Mutter oder den nicht vorhandenen Frauen in ihren Leben herumschlagen, sondern auch bei Delphine, die selbst innere Dämonen aus ihrer Vergangenheit zu bekämpfen hat.

Gilles Lellouches Komödie, die in ihrem Heimatland am Eröffnungswochenende beachtliche 1.2 Millionen Zuschauer ins Kino locken konnte, schlägt im Vergleich zu Swimming With Men eine deutlich humorvollere Richtung ein: Trotz des doch eher schweren Themas von Männern mitten in der Midlife-Crisis ist Le Grand Bain – Ein Becken voller Männer gespickt mit witzigen Szenen, die dem Film eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Bittersüsse Momente sorgen dafür, dass Motive wie Depression, geplatzte Lebensträume oder Alkoholsucht nicht völlig auf die leichte Schulter genommen werden – insgesamt hätte der Film aber seine Figuren sicherlich noch tiefergehend durchleuchten und deren Probleme und die Auslöser dafür sezieren können.

So wirkt das konventionelle Ende dann doch etwas gar lebensfremd – ganz im Gegensatz zu den Figuren selbst, die von einem grossartigen Cast getragen werden (unter anderem: Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde oder Jean-Hugues Anglade) und auf den zweiten Blick viele liebenswerte Eigenschaften vereinen. Damit ist Le Grand Bain – Ein Becken voller Männer ein charmantes Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und Mut im Leben, das zwar mehr Tiefgang hätte vertragen können und mit rund zwei Stunden die eine oder andere Länge aufweist, sein Publikum aber dennoch solide zu unterhalten weiss, ohne dessen Intelligenz in Frage zu stellen.

25.06.2019

3.5

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Kommentare

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mocchalett

vor 16 Tagen

Toll französisch, zeitgemäss wirkend und klar gelegentlich dazwischen immer wieder etwas überzeichnet, hat mich jedoch sehr berührt, da auch wenig doch offenbar sehr gross sein kann und ist, nicht bloss pur unterhalten, gescheites Kino.


nick74

vor 20 Tagen

Hat mir sehr gut gefallen. Viel Herz und einige Einzelschicksale machen den Film besonders. Volle Punktzahl von mir.


cinerat

vor 20 Tagen

Ein herziges Wohlfühlfilmchen. Kann man schauen, muss man aber nicht.


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