Khook Iran 2018 – 108min.

Filmkritik

Lieber tot in der Not

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Ein Film aus dem Iran sorgt à priori für Aufmerksamkeit, erst recht, wenn es um das Thema Filmemachen im Iran geht. Hasan, so heisst der Held in der Satire Khook, darf seit Jahren keinen Film machen und gerät in eine Mordserie, in der ausgerechnet Regisseure umgebracht werden. Mani Haghighi (Buch und Regie) zündete eine mordsmässige Satire.

Das Leben ist ungerecht, erst recht im Iran. Hasan Kasmai (Fasan Majuni), angefressener Regisseur, könnte aus der Haut fahren. Seit Jahren steht er im Iran auf der schwarzen Liste und inszeniert zweit- und drittklassige Werbefilme – aufwendig und doof. Sein grösster Kummer: Seine Starschauspielerin Shiva (Leila Hatami), sein Liebling, verliert die Geduld und will das Angebot eines konkurrierenden Regisseurs annehmen. Diese Entwicklung stösst Hasan in eine noch grössere Krise: Die Ehe kriselt, seine Tochter kehrt ihm den Rücken und seine Mutter verliert die Orientierung. Und dann das: Ein unbedeutender Filmer namens Mani Haghighi (!) wird umgebracht, sein grösster Konkurrent, Sohrab Saidi, der seine Shiva bereits am Wickel hatte, wird um einen Kopf kürzer gemacht. Und dann immer wieder das eingeritzte «Khook» auf der Stirn der Opfer. Wer ist da Schwein, nämlich «Khook»? Er nicht, denn er wird verschont. Als dann noch seine favorisierte Shiva ein grässliches Ende findet, gerät auch Hasan in Verdacht. Ist er der Killer? Hat er sie bestraft, wird er bestraft? Ein Plan muss her, auf Teufel komm raus! Und so könnte ein Tod in der Not nützlich sein.

Zugegeben, Mani Haghighi (Buch und Regie) trägt dick auf. Da müssen Statisten für einen Werbespot gallertartige Masse spucken, rollen Köpfe oder liegen einfach so da. Der Choleriker Hasan motzt herum, badet in Selbstmitleid und versucht seinen Frust im Luftgitarrespielen abzubauen, selbst in Einzelhaft. Mani Haghighi gibt zu, dass natürlich auch eigene Befindlichkeiten und Eigenarten wie Luftgitarre in seine deftige Abrechnung eingeflossen sind. Kein Wunder, geht es in seiner schrillen Satire um das Filmemachen und einen Regisseur als Hauptakteur im Iran. «Ich dachte an all die Hürden, die man als iranischer Filmemacher täglich in seinem Beruf erlebt: Autokratie und der brutale Hass, den sie in deiner Seele auslöst; die Ungerechtigkeit, wenn man auf die schwarze Liste gesetzt wird; die Sorge, unter Verdacht zu stehen beim Staat und beim Publikum.» All das und mehr verquirlt der Mann aus Teheran in seiner schonungslosen, spitzbübischen Satire, nicht ohne Selbstironie, deftigen Scherzen und bitteren Seitenhieben auch auf soziale Medien.

27.08.2018

4

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Kommentare

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Yvo Wueest

vor 2 Jahren

Egoistisch und selbstverliebt, zieht unser Protagonist, ein übellauniger Regisseur, lärmend durch diese kluge und doppelbödige Posse. Genial, wie der Filmemacher den realen Konflikt von Künstlern und Kreativen mit dem autoritären Staat durch einen Streit mit dem Publikum persifliert. Und gleichzeitig makaber-vergnüglich unsere gegenwärtige -nicht nur im Iran- zu beobachtende "Kopflosigkeit" und den um sich greifenden digitalen Nonsens thematisiert.Mehr anzeigen


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