Hereditary USA 2018 – 126min.

Hereditary

Filmkritik

Ein Horror-Drama

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Debütant Ari Aster, der für Hereditary nicht nur das Drehbuch verfasste, sondern auch Regie führte, sorgte mit seinem Film für Aufsehen beim Sundance Film Festival. Das gelang wohl vor allem, weil er einerseits einen Film abgeliefert hat, der handwerklich solid ist, andererseits in seiner Hybridform aus Drama und Horror eine Nische besetzt, die nur selten bedient wird.

Nach dem Tod der Grossmutter geht das Leben für Annie und ihre Familie normal weiter, doch dann trifft ein weiterer, weitaus schlimmerer Schicksalsschlag sie alle und verändert das gemeinsame Leben für immer: Weil ein Mitglied dieser Familie aus dem Leben gerissen wird und die anderen die Schuld bei sich, aber auch bei den übrigen Familienmitgliedern suchen. Besonders hart trifft es Annie, die mit ihrem Schmerz nicht zurechtkommt und sich auf eine Art und Weise damit auseinandersetzt, die den Rest ihrer Familie in tödliche Gefahr bringt – denn dunkle Mächte werden auf diese Familie aufmerksam.

Aster setzt vor allem auf psychologischen Horror. Er erweist sich als durchaus virtuos darin, die Figuren und ihren Schmerz zu beschreiben. Damit liefert er für die Schauspieler, allen voran Toni Collette, sehr schmackhaftes Material ab. Sie ist der emotionale Kern dieses Films – letztlich ist es nur ihr zu verdanken, dass die ersten zwei Drittel von Hereditary funktionieren. Aber mit dem letzten Akt homogen sind sie nicht. Denn das übernatürliche Element, das schon zu einem frühen Zeitpunkt der Geschichte vorhanden ist, wird so subtil eingesetzt, dass im Grunde nur ein Drama bleibt, das sich mit Trauerbewältigung befasst. Was in sich durchaus stimmig, zugleich aber auch überlang ist und so manchen Genre-Fan an die Grenzen seiner Geduld führen wird.

Entsprechend funktioniert Hereditary auch mehr als ein Drama denn als ein Horrorfilm. Er erinnert dabei in seiner Wirkungsweise an The Witch, nur dass dieser in sich konsequenter war. Denn als Hereditary anfängt, den Horror in den Vordergrund zu zerren, wird daraus eine Nummernrevue aus Spuk und Jump-Scares, die für sich genommen auch gut ist, aber nicht mit dem harmoniert, was zuvor gekommen ist.

Es ist fast so, als würde man zwei Filme ansehen – und der zweite erscheint dabei sehr gehetzt, zumal die Auflösung, die überraschend sein soll, eher aus der Genre-Klischeekiste stammt. Auch hier gilt: Das funktioniert und wartet am Ende auch mit ein paar beeindruckenden Bildern auf, unterm Strich wäre dem Werk aber besser gedient gewesen, wenn es in sich homogener wäre. Was bleibt, ist ein Genre-Hybride, der für Drama-Fans zu viel Horror und für Horrorfans zu viel Drama aufweist.

21.06.2018

3

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Kommentare

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muri

vor 3 Tagen

Punktet hauptsächlich mit guten Darstellern und einem gelungenen Finale. Der Weg dahin ist aber recht holperig.


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