Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen Grossbritannien, USA 2018 – 134min.

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Filmkritik

Wingardium Leviosa

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

J.K. Rowling führt die Geschichte rund um Newt Scamander und seine magischen Tierwesen in Grindelwalds Verbechen weiter – doch statt nach einem knapp 2-stündigen Film fühlt sich ihre gewohnt phantasievolle, überraschend düstere Welt eher an wie ein 500-seitiger Wälzer.

Gellert Grindelwald (Johnny Depp) wurde zum Ende von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind verhaftet und in ein Londoner Gefängnis gesteckt, wo der düstere Magier für immer verwahrt werden sollte. Doch dem durchtriebenen Fiesling gelingt in einer hektischen Anfangssequenz die Flucht nach Paris, worauf das Zaubereiministerium Albus Dumbledore (Jude Law) auf den Plan ruft. Dieser fühlt sich nicht befähigt genug für den Kampf gegen Grindelwald, weshalb der Hogwarts-Lehrer seinen Schützling Newt Scamander (Eddie Redmayne) um Hilfe bittet, der sich Grindelwald und seinem boshaften Plan, eine Welt von Reinblütern zu schaffen, in den Weg stellen soll.

Was im ersten Teil der fünfteiligen Serie aus der Feder von J.K. Rowling noch zaghaft begann, wird nun definitiv etabliert: Die Harry-Potter-Autorin spart im von ihr geschriebenen Drehbuch nicht mit Sozialkritik und Verweisen auf Faschismus oder die aktuelle Trump-Ära – und David Yates, der schon für die letzten vier Harry Potter-Verfilmungen sowie Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind auf dem Regiestuhl sass, setzt Rowlings Geschichte nicht weniger düster um: Neben altbekannten, aber auch vielen neuen Figuren und Tierwesen bekommt man auch viele finstere Kreaturen und Grautöne zu Gesicht. Man hat sich also bewusst entschieden, der gealterten Fanschaft mit einer erwachseneren und weitaus düstereren Zauberwelt zu entsprechen, wobei die von Rowling kreierte Magie gewohnt phantasievoll, mit Fleisch am Knochen und im Stil von stylischer 20er-Jahre-Vintage daherkommt.

Eine Rückkehr nach Hogwarts – weit vor der Zeit von Wunderkind Harry Potter – soll nostalgische Gefühle hervorrufen, was vor allem durch Jude Laws Verkörperung eines jungen Dumbledores zumindest halbwegs gelingt. Das Problem liegt dann auch weniger am Setting und der allgemeinen Message der Geschichte, als daran, was Grindelwalds Verbrechen alles erzählen will: Bei so vielen Figuren und Nebenschauplätzen, die in diesen knapp zwei Stunden mit zumeist schwindelerregend schnellen Actionszenen untergebracht werden sollen, kann es gut sein, dass man als Zuschauer irgendwann die Übersicht verliert – worunter ab einem gewissen Punkt auch die emotionale Beteiligung leidet.

Newt – wohl auch Eddie Redmaynes eher unscheinbaren Interpretation des Magizoologen zu verschulden – und seine manchmal skurrilen, manchmal Massenverzückung auslösenden Tierwesen (Stichwort: Niffler) verkommen irgendwann selbst zu Nebendarstellern in diesem magischen Wirrwarr aus Plot-Twists, Nebengeschichten und neuen Figuren. Nicht, dass das nicht unterhaltsam wäre – nur würde man sich an gewissen Stellen wünschen, mit „Wingardium Leviosa“ das Ganze für einen kurzen Moment in die Schwebe zu versetzen. Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen zieht einen zwar magisch an und macht mit seinem Ende Lust auf die Fortsetzung(en), den Kinosaal verlässt man dennoch weitaus weniger verzaubert, als das bei J. K. Rowling auch schon der Fall war: Wohl auch, weil sich der Film wie eine Verfilmung eines 500-Seiten-Wälzers anfühlt, den man als Zuschauer leider nie zu Gesicht bekommt.

15.11.2018

3

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Kommentare

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oscon

vor 10 Monaten

Magerer 2. Teil der Saga 'rund um den introvertierten Monsterfreund Newt Scamander (Eddie Redmayne).
Was effektiv stört, ist das nun klar zu erkennen ist (und das dies ev. nicht geplant war, wenn man sich den ersten Film betrachtet), das wir uns in einer mehrteilligen Filmserie befinden.
So wird die Geschichte nicht richtig weiter getrieben...und die durchwegs guten Spezialeffekte verkommen zur reinen Effekthascherei!
Was bleibt ist ein wiederum fantastischer Redmayne und ein Johnny Depp, der es endlich wieder einmal schafft, in einem Film nicht abgehoben, sondern "normal" finster zu erscheinen.Mehr anzeigen


Sybille.Kreutzer

vor 10 Monaten

Mir fehlte irgendwie der Bezug zu Teil 1. Aber vielleicht war das auch so gewollt.


frozone

vor 11 Monaten

Etwas enttäuschend. Der Zauber des neuen Settings aus Teil 1 ist verpufft und die Verbindungen zum Harry-Potter-Universum wirken erzwungen. Das klassische "Star Wars"-Phänomen hält Einzug: Ständig neue Skywalkers und Solos zu erschaffen vermag die Fans des Originals längerfristig nicht zu halten.Mehr anzeigen


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