Fahim Frankreich 2019 – 107min.

Fahim

Filmkritik

Das Streben nach Glück

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Es ist eine Geschichte von asylsuchenden Flüchtlingen, die im französischen Film Fahim im Zentrum steht. Eine sehr menschliche Geschichte, eine, die zu Herzen geht, aber auch eine, die bezüglich der dahinterstehenden Politik einen etwas bitteren Geschmack zurücklässt. Nichtsdestotrotz ist der auf einer wahren Geschichte basierende Film ausgesprochen sympathisches Wohlfühlkino.

Das Leben des jungen Fahim (Assad Ahmed) ist in seiner Heimat Bangladesch gefährdet, weswegen sein Vater ihn nimmt und mit ihm nach Frankreich geht, wo beide Asyl beantragen. Dem Jungen, der ein aussergewöhnliches Talent für Schach offenbart hat, sagt er, dass er einen Grossmeister treffen wird, um den Abschied von der Familie zu erleichtern. In Frankreich ist das Leben jedoch alles andere als einfach: Fahim nimmt zwar an einem Schachkurs teil, sein Lehrer Sylvain erkennt, dass er ein ganz grosses Talent vor sich hat und bereitet ihn für eine Meisterschaft vor – es gibt aber einige regulatorische Hindernisse zu überwinden. Und dann soll auch noch Fahims Vater abgeschoben werden.

Es ist weniger ein Wunder, wie der deutsche Titel («Das Wunder von Marseille») es bezeichnet, als vielmehr eiskalte Politik, die zum Feel-Good-Teil führt. Bis dahin ist es aber ein weiter und steiniger Weg, bei dem nicht alles ganz verständlich ist. Etwa der Umstand, dass Fahims Vater in all der Zeit nicht wenigstens ein paar Brocken Französisch erlernt. Stattdessen verabschiedet er sich von jedem mit den Worten „Bon Appetit“.

Lässt man den Flüchtlingsaspekt der Geschichte weg, dann hat man immer noch ein ziemlich gelungenes Drama, das sich mit der Förderung eines Jungen befasst, der in seinem Fach zu Grossem berufen ist. Der Film lebt vor allem vom Zusammenspiel des wie so oft bärbeissigen Gérard Depardieu, dessen Figur das Herz auf dem rechten Fleck hat, und des jungen Ahmed Assad, der Fahim mit einer ordentlichen Portion Naivität, aber auch entwaffnender Unschuld spielt. Der junge Assad lebte, als die Dreharbeiten begannen, selbst erst seit kurzem in Frankreich und lernte die Sprache während der Arbeit an diesem Film. Auch das hat sicherlich zur Authentizität des Gezeigten beigetragen.

Fahim ist ein schöner Film, der den Zuschauer mit einem guten Gefühl entlässt, aber auch darauf verweist, dass eben nicht alles Gold ist, was glänzt: So ist der offizielle Status von Fahim und seinem Vater auch Jahre später noch ungeklärt. Sie dürfen in Frankreich bleiben, eingebürgert wurden sie jedoch nicht – und all das ist nur bis auf Widerruf gültig.

12.11.2019

3.5

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