Deadpool 2 USA 2018 – 111min.

Deadpool 2

Filmkritik

Sprüche-Klopfen für Fortgeschrittene

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Heiss ersehnt und noch immer zügellos: Auch im zweiten Deadpool-Film sorgt der wenig zimperliche Titelheld für Abwechslung im manchmal allzu glatten und kalkulierten Superheldengenre. Wer den rotzig-frechen ersten Teil geliebt hat, kommt im neuen Abenteuer abermals auf seine Kosten.

Der sonst so vorlaute Ex-Söldner Wade Wilson alias Deadpool (der ausserdem als Produzent und Koautor involvierte Ryan Reynolds) erlebt den persönlichen Super-GAU, als seine grosse Liebe Vanessa (Morena Baccarin) von einem rachsüchtigen Gangster erschossen wird. Tief getroffen beschliesst der Sprücheklopfer, seinem Leben ein Ende zu setzen, und sprengt sich in die Luft. Dank seiner Selbstheilungskräfte und der Unterstützung des Stahlriesen Colossus (Stefan Kapičić) landet der Gebrochene nur wenig später als Trainee in einer X-Men-Truppe, die irgendwann zu einem Waisenhaus gerufen wird, um dort den tobenden, mit Feuerbällen um sich werfenden Mutanten Russell (Julian Dennison) zu beruhigen. Deadpools forsches Auftreten lässt allerdings die Lage eskalieren und führt in letzter Konsequenz dazu, dass er und der Jugendliche in ein Hochsicherheitsgefängnis verfrachtet werden. Den finsteren Ort sucht eines Tages auch der durch die Zeit reisende, kybernetische Krieger Cable (Josh Brolin) auf, der Russell offenbar an den Kragen will.

Dass der ganz grosse Überraschungseffekt nach dem lässig-launigen ersten Deadpool-Abenteuer etwas verpufft, lässt sich nicht vermeiden. Dennoch legt David Leitch (Atomic Blonde), der das Regiezepter von Tim Miller übernahm, eine dynamisch inszenierte, freche und vor selbstreflexiven Anspielungen nur so strotzende Actionsause hin. Wie schon im Vorgänger durchbricht die von Ryan Reynolds herrlich sarkastisch verkörperte Titelfigur immer wieder die vierte Wand, um sich mit ihren augenzwinkernden Kommentaren direkt an den Zuschauer zu wenden. Andere Superhelden – vor allem Wolverine – bekommen fortlaufend ihr Fett weg. Hollywood-Gesetze werden mit grosser Lust durch den Kakao gezogen. Und auch die eigene Dramaturgie bleibt nicht von Seitenhieben verschont.

Deadpool 2 feuert in alle Richtungen, schiesst dabei manchmal am Ziel vorbei, setzt aber erneut einen prägnanten Farbtupfer auf die Landkarte der bisweilen etwas zu braven Comic-Verfilmungen. Während Kämpfe woanders eher unblutig geraten, geht es hier ans Eingemachte, obschon die Brutalitäten stets ein wenig überzeichnet sind. Die Handlung ist sicher keine grosse Offenbarung, bringt allerdings auf recht amüsante Weise verschiedene Stimmungen zusammen und schlägt gerade in der zweiten Hälfte einige interessante Haken. Bei der Charakterzeichnung wäre – etwa im Fall des misshandelten Mutanten Russell – mehr Feinschliff wünschenswert gewesen. Drehbuchvereinfachungen wie diese entwickeln sich jedoch nicht zu Stimmungskillern, sondern sind schlichtweg Schönheitsfehler in einer unterhaltsam-scharfzüngigen, musikalisch schmissig begleiteten Ryan-Reynolds-Show.

15.05.2018

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

oscon

Selten kam ein Film so "krankhaft lustig" 'rüber: Ein Superhelden Feuerwerk der besonderen Art.
Der Cast ist erstklassig ausgewählt, wobei Zazie Beetz als Domino, dem hervorragend aufgelegtem, im Minutentakt sprücheklopfenden Ryan Reynolds manchmal etwas die Show stiehlt.
Im Vordergrund jedoch steht der Schlagabtausch von Deadpool und seinem neu formierten X-Force Team gegen den vermeindlichen aus der Zukunft kommenden Bösewicht Cable (Josh Brolin), zwecks Rettung eines misshandelten jugendlichen Mutanten.
Trotz allem berührt der Film (wenn auch stark augenzwinkernd), sei es mit dem grossartigen Intro (inkl. Song von Céline Dion), der Liebesgeschichte zwischen Pool & Nessa (ja, die gibt es wirklich und Morena Baccarin ist spitze!), sowie der Hintergrund-Geschichte mit den misshandelten Mutanten-Kinder.
PS: Marvel Kenner warten selbstverständlich wieder auf die End Credit Szene, die es in sich hat!!
Lachen lass nach!

Mehr anzeigen

Deadpool 2 5

thomasmarkus

Ständig auf einer Metaebene das Geschehende kommentierend - fast wie eine Sterbeszene in Oper, wo der/die Sterbende nicht ihr Leben aushaucht, sondern aussingt...

Deadpool 2 4

roxy12

Einfach wieder mal der Wahnsinn. Zum totlachen. Und ich hab mich ja soo gefreut als einer meiner Lieblings Marvelfigur aufgetaucht ist. TOP!!

Deadpool 2 5

Mehr Filmkritiken

Solo: A Star Wars Story

Avengers: Infinity War

I Feel Pretty

Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht