La noche de 12 años Argentinien, Spanien, Uruguay 2018 – 122min.

La noche de 12 años

Filmkritik

Eine endlose Nacht

Clélia Godel
Filmkritik: Clélia Godel

Der dritte Spielfilm des uruguayischen Filmemachers Álvaro Brechner namens Compañeros - La noche de 12 años basiert auf der wahren Geschichte von politischen Gegnern, die zu einer Zeit, als das Land 1973 in ein diktatorisches Regime fiel, 12 Jahre lang in Uruguay gefangen gehalten wurden. Der auf vielen Festivals preisgekrönte Film zeigt, wie drei Männer die Kraft fanden, eine unvorstellbare Tortur zu überstehen.

Compañeros – La noche de 12 años erzählt mit Entsetzen den Horror, den diese Gefangenen während dieser zwölf Jahre der Gefangenschaft erlebt haben. Dank einer immersiven Erzählweise führt uns Regisseur Álvaro Brechner mit diesen Männern in ihre Zellen, um ihren Kampf als Zeugen aus erster Hand mitzuverfolgen. Eingesperrt, isoliert, zum Schweigen gebracht und unterernährt, werden sie von allem enteignet, was sie zu Menschen macht. Die Leistung der drei Schauspieler (Antonio de la Torre, Chino Darín und Alfonso Tort), die für den Film jeweils fast fünfzehn Kilo abgenommen haben, ist bemerkenswert, da sie die physische und psychische Erschöpfung widerspiegeln, unter denen die Männer während ihrer Haft gelitten haben.

Die Mise en Scène bringt die Enge – manchmal sehr beängstigend – perfekt rüber, indem sie uns selten dazu bringt, die engen Räume zu verlassen. Beinahe erleichtert freut man sich als Zuschauer auf die seltenen Momente der Ruhe, welche die Atmosphäre zumindest teilweise aufhellen. Überraschenderweise zögert der Film nicht, die Armee zu verspotten, indem er die Aktionen der Soldaten lächerlich macht – sogar so weit, dass er einige Lacher provoziert. Der Griff zu zahlreichen Rückblenden, der dem Film einen gewissen Rhythmus verleiht, erlaubt ebenfalls einige Verschnaufpausen. Wenn man sich an gewissen Stellen gewünscht hätte, dass mehr über die Vergangenheit der Figuren erzählt wird, dann wird man zumindest daran erinnert, dass diese Gefangenen eine Familie haben und dass sie für diese kämpfen müssen.

Der Kampf wird durch kleine Gesten geführt, die mit Kraft und Hoffnung erfüllt sind: die Gelegenheit, einen Brief zu schreiben, Besuche von Liebsten, die Balsam für die Seele sind, oder die Möglichkeit, trotz den trennenden Mauern miteinander zu kommunizieren, was gleichbedeutend ist mit ihrer vorzeitigen Befreiung. Mit diesem Fokus auf Hoffnung und Mut zeigt Compañeros - La noche de 12 años schliesslich, dass man die menschliche Kraft nie unterschätzen darf. Dieser gleichzeitig herausfordernde und optimistische Film lässt einen damit auf keinen Fall kalt.

18.07.2019

4

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