CH.FILM

Closer to God Schweiz 2018 – 85min.

Closer to God

Filmkritik

Gedanken und Melodien aus einer anderen Welt

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Annette Berger und Grete Jenzen begleiten einen Mystiker und einen Musiker auf Reisen durch Pakistan und Indien. Ihr Film führt Heiligen Stätten entlang und quer durch im Kino selten gesehene Landschaften in einen inneren Frieden.

Die heutige Musik beschleunige und lasse den Blutdruck hochschnellen, sagt Naseeruddin Saami. In seiner Auffassung aber sollte Musik Frieden bringen: dem Körper, der Seele, dem Geist. Saami stammt aus einer uralten Musikerfamilie. Er singt in der Tradition des Khyal und wird in Pakistan als „Ustad“ (Meistersänger) verehrt. Seine Lieder – in westlichen Ohren wehmütig-sphärisch klingend – folgen frei interpretiert vorgeschriebenen Tonfolgen und Rhythmen. Ihre Texte handeln von Liebe und Heiligenverehrung und mahnen zur Achtsamkeit.

Saami bildet in seiner eigenen Akademie in Karachi Sängerinnen und Sänger aus. Dazwischen reist er mit seinen Söhnen und einigen seiner Eleven durch den indischen Subkontinent. Man musiziert, wo sich eine Gelegenheit ergibt – im Wohnzimmer einer Bekannten oder an Wallfahrtstätten, wo sich die Gesänge mit dem Gemurmel der Betenden mischen. Kurz einmal erwähnt einer seiner Studenten, dass in Pakistan seit einigen Jahren erhöhte Sicherheitsdispositive gelten und öffentlich zu konzertieren sozusagen unmöglich ist.

Doch das Politische – Pakistans innerstaatliche Instabilität, die durch Taten Einzelner geprägte Wahrnehmung des pakistanischen Volkes in der restlichen Welt – blenden Annette Berger und Grete Jenzen weitgehend aus. Dies, obwohl sie davon ausgehend das Anliegen ihres Filmes formulierten: Ein anderes Pakistans zu entdecken und den Blick auf eine seit Jahrhunderten Spiritualität geprägte Weltkultur freizugeben.

Parallel zu Saami folgen sie in ihrem Film dem Mystiker und Asketen Gogha Sain, der einmal pro Jahr begleitet von einigen Anhängern von seinem Heimatort Islamabad quer durch Pakistan pilgert. Er trägt an seinen Beinen schwere Metallreifen und geht auch auf dornigen Wegen Barfuss, sein Wanderstab, von dessen Berührung sich seine Verehrer Heilung versprechen, ist im Laufe vieler Jahre schwarz geworden. Ähnlich wie Saami lebt und verkündet Gogha Achtsam- und Friedfertigkeit.

Einnehmend schön fotografiert, mit feinem Gespür für die Dauer eines Liedes sowie ein das Verweilen beinhaltendes Lebenstempo inszeniert, führt Closer to God in eine betörende Welt, in welcher Transzendenz und Spiritualität selbstverständlich Teil des gelebten Alltags sind.

16.04.2019

4

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