Auf der Jagd - Wem gehört die Natur? Deutschland 2018 – 97min.

Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?

Filmkritik

Zwischen Tradition und Gesetz

Julian Gerber
Filmkritik: Julian Gerber

Wem gehört eigentlich die Natur und welches Wild darf oder muss sogar geschossen werden? Der Dokumentarfilm von Alice Agneskirchner gibt Einblick in ein Metier, welches zwischen alteingesessenen Traditionen und auferlegten Reglementarien seinen Platz in der heutigen Gesellschaft sucht.

Was macht den Reiz am Jagen aus? Ist es die Verbundenheit mit der Natur, das Bewahren einer Tradition oder einfach nur die Leidenschaft zum Töten? Alice Agneskirchner bezieht in ihrer Dokumentation keine Seiten, sondern lässt Fakten für sich sprechen und Betroffene zu Wort kommen. Erfahrene Jäger berichten von Abschussquoten, die eingehalten werden müssen und sprechen zum Teil sogar von staatlich angeordneter Ausrottung. Das Töten der Tiere passiert aus Notwendigkeit, keinesfalls aus Spass oder Leidenschaft – so zumindest suggeriert es der Film, welcher ethische Grundfragen grösstenteils aussen vor lässt und aufzeigt, wie die Jagd, trotz anhaltender Tradition, immer mehr zum Politikum verkommt.

Diskutiert wird der Wolfsabschuss und ein aufwändiges Schutzwaldprogramm, das nach dem Motto “Wald vor Wild” durchgesetzt werden soll. Das Problem ist schlussendlich immer dasselbe: In den Verwaltungsbüros wird entschieden, und die Jäger müssen die Massnahmen umsetzen, ob sie es denn wollen oder nicht. Nebst der kontroversen Debatte wartet der Film jedoch auch mit eindrücklichen Naturbildern auf, die für eine zum Teil mystische Stimmung sorgen.

Auf der Jagd – Wem gehört die Natur? ist zwar eine mehrheitlich gelungene Dokumentation, die auch den jagdunerfahrenen Zuschauern einen interessanten Einblick in eine sonst eher geschlossene Gemeinschaft gewährt. Der Film zeigt anhand von verschiedenen Debatten auf, mit welchen Konflikten sich Jäger in ihrem Alltag herumschlagen müssen, und dass die Jagd nicht aus Blut getriebenem Töten besteht. Ein roter Faden im Film ist jedoch kaum erkennbar: Themen werden angerissen und – so hat es den Anschein – beinahe wahllos aneinandergereiht: Ein geschichtlicher Exkurs, ein Abstecher nach Kanada, Wolfsabschuss in Deutschland, Ethik des Fleischverzehrs. Zu vieles, das zu vage beschrieben wird, um das Thema in seiner Allgemeinheit zu erfassen.

15.05.2018

3

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