Die Farbe des Horizonts USA 2018 – 99min.

Die Farbe des Horizonts

Filmkritik

Faszination Ozean

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Naturgewalten sind seit jeher beliebte Nebenprotagonisten im Kino – auch im neusten Beispiel Die Farbe des Horizonts, in dem die unbändige Macht des Ozeans in den Bann zu ziehen vermag.

Tami (Shailene Woodley) reist seit ihrem High-School-Abschluss mittels Gelegenheitsjobs durch die Welt. Der Zufall will es, dass es sie 1983 auf die wunderschöne Insel Tahiti verschlägt, wo sie Richard (Sam Claflin, Ein ganzes halbes Jahr) kennenlernt: Einen Segler und Abenteurer, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Als Richard das Angebot bekommt, gegen eine grosszügige Entlohnung eine Yacht von der Insel tausende Kilometer übers Meer nach Florida zu segeln, beschliessen die Frischverliebten nach einigem Hin und Her ihrerseits, sich zusammen auf die Reise einzulassen. Mitten auf dem Pazifik dann die Katastrophe: Einer der schlimmsten Hurrikane der Geschichte überrascht die zwei – das Boot übersteht den Sturm nur schwer beschädigt, Richard ist ernsthaft verletzt und die unerfahrene Tami von nun an für ihr Überleben verantwortlich.

Der Film setzt genau in diesem Moment ein: Als Tami bewusstlos im Innern des mit Wasser gefüllten Bugs liegt und erwacht; Das einst luxuriös wirkende Boot wie eine Nussschale zwischen den mittlerweile beinahe sanften Wellen treibend. Von Richard fehlt zunächst jede Spur, doch als Tami das Beiboot erspäht, schöpft die junge Frau neue Hoffnung. Von da an wechselt der Film Szene für Szene zwischen dem Fortgang des Unglücks und der bisherigen Geschichte des Paares hin und her; wie sie sich auf Tahiti vor Traumkulisse kennen- und lieben lernen, wie es zum Angebot der Weltumseglung gekommen ist, wie sie schlussendlich in den Sturm geraten sind. Mit diesem Ansatz tut sich der Film einen Gefallen – insbesondere, weil die Mischung aus Abenteuerdrama und romantischer Liebesgeschichte das Dramatische und Aussichtslose einer linearen Erzählung etwas entschärft und zugleich zu verdecken mag, dass die in zarte Farben getunkte Vorgeschichte etwas oberflächlich geraten ist. Obwohl insbesondere Shailene Woodley eine solide Leistung abliefert: Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt kann sie hier alle Facetten ihres Repertoires zeigen.

Die Farbe des Horizonts basiert lose auf dem Tatsachenbericht „Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea“ von Tami Oldham Ashcroft, den sie zusammen mit einer professionellen Schriftstellerin geschrieben und 2002 veröffentlicht hat. Ironischerweise entfaltet der Film aber genau dann seine volle Kraft, wenn man vorab so wenig wie möglich über die wahre Geschichte hinter dem Abenteuer weiss – ein geschickter Story-Twist inklusive, der sich dank der Erzählweise erst zum Ende hin völlig offenbart. Aber auch wenn man die Wahrheit kennt: Zur Hauptattraktion dieses Films zwischen Teenie-Romanze und Abenteuerdrama macht der isländische Regisseur Baltasar Kormákur (Everest) so oder so den Ozean, der dank spektakulär-authentischen Aufnahmen – die langen, anstrengenden Drehtage auf offener See machen sich ausbezahlt – perfekt in Szene gesetzt wird. Manchmal unbegreiflich schön und die Abenteuerlust weckend, dann wieder unglaublich angsteinflössend und bedrohlich.

10.07.2018

3

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