Wonderstruck USA 2017 – 117min.

Wonderstruck

Filmkritik

Wonderstruck

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Zwei Jahre nach Carol, für den Rooney Mara mit dem Darstellerinnen-Preis ausgezeichnet wurde, kehrt Todd Haynes mit seinem neuen Film Wonderstruck in Wettbewerb von Cannes zurück. Erneut dient ihm dabei ein Roman als Vorlage (Brian Selznick hat sein eigenes Werk nun als Drehbuch adaptiert), doch ein weiteres Meisterwerk ist dem US-Regisseur dieses Mal nicht gelungen.

Er erzählt dieses Mal zwei Geschichten parallel: die des taubstummen Mädchens Rose, das 1927 von zuhause wegläuft, um in New York zunächst ihre als Schauspielerin erfolgreiche Mutter (Julianne Moore, später im Film auch in einer zweiten Rolle zu sehen) und dann ihren erwachsenen Bruder aufzusuchen, und die vom 12-jährigen Ben, der nach dem Tod seiner Mutter (Michelle Williams) in den Siebzigern ebenfalls nach Manhattan abhaut, weil er endlich herausfinden will, wer sein Vater ist. Nach einem tragischen Unglück kann auch er dabei seit kurzem nicht mehr hören.

Dass diese beiden Plots am Ende zusammengehören werden, versteht sich von selbst, doch ihre Kombination gelingt Haynes nur bedingt überzeugend. Während ihm die Seventies-Szenen atmosphärisch und visuell sehenswert geraten, sieht die als schwarzweißer Stummfilm gehaltene Rose-Episode nicht nur seltsam künstlich und inkonsequent aus, sondern ist auch einigermaßen langweilig. Nur in Bens Abenteuer im American Museum of Natural History, wo er bald einen neuen Freund findet, lassen sich gelegentlich die märchenhaft-magischen Momente erleben, um die es Haynes ganz klar zu gehen scheint. Insgesamt dominiert in Wonderstruck, der für eine Geschichte über das Taubsein mit allzu viel (wenn auch hörenswerter) Musikuntermalung aufwartet, allerdings leider ein für Haynes vollkommen untypisches Übermaß an Kitsch.

19.05.2017

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