The Party Grossbritannien 2017 – 71min.

The Party

Filmkritik

Wenn alle Masken fallen

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Eigentlich sollte es nur eine nette Party unter Freunden werden. Doch als die Fassade zu bröckeln beginnt und jeder sein wahres Gesicht zeigt, eskaliert die Situation. Die bissige Komödie The Party ist ein kleines Meisterwerk. Die schwarzhumorigen Dialoge sind messerscharf, die Anspielungen auf Establishment und Politik ebenso gelungen wie treffsicher.

Janet (Kristin Scott Thomas) hat den Höhepunkt ihrer politischen Karriere erreicht und möchte diesen Erfolg mit Freunden feiern. Während sie die letzten Vorbereitungen trifft und ihr Mann Bill (Timothy Spall) die Musik heraussucht, erscheinen allmählich die Gäste. Unter ihnen die gehässige April (Patricia Clarkson), ihr Esoterik-Gatte (Bruno Ganz) oder auch Tom (Cilian Murphy), dessen Frau nachkommen will. Nachdem die Party mit harmlosem Smalltalk begann, entwickelt sie sich bald anders als erwartet. Denn: alle haben Schuld auf sich geladen.

Nach vierjähriger Pause kehrt die britische Filmemacherin Sally Potter (Ginger & Rosa) mit The Party zurück auf die große Leinwand. Der hochkarätig besetzt Film lief auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Potter, die seit fast 50 Jahren in der Filmbranche arbeitet, gehört zu den bekanntesten Regisseurinnen Englands.

In der Tradition kammerspielartiger, dialogreicher Ensemble-Komödien á la Der Gott des Gemetzels entfesselt The Party ein Feuerwerk an klugem Wortwitz und bissig-sarkastischem Humor. Dabei beginnt alles ganz harmlos: Geplant ist ein gemütliches Beisammensein unter guten Freunden. Doch bereits kurz nach Ankunft der Gäste beginnt die Fassade zu bröckeln. Regisseurin Potter kommt in ihrem in Echtzeit gedrehten, nur 70-minütigem Film recht schnell Sache.

In der folgenden Stunde würzt sie ihren Film mit so vielen schlagfertigen Mono- und Dialogen sowie spitzzüngigen Kommentaren auf den aktuellen Zustand des britischen Polit-Establishments, dass kaum Luft zum Atmen bleibt. Schnell wird klar: alle haben in gewisser Weise Schuld auf sich geladen und die Party ist der Ort, an dem alle Masken fallen. Es kommen unausgesprochene Wahrheiten und streng gehütete Geheimnisse auf den Tisch: von lebensbedrohlichen Krankheiten über verheimlichte Affären und Drogensucht bis hin zu lange zurückliegenden Schäferstündchen unter Freunden.

Stark ist vor allem, wie Potter gängige Rollenbilder und Geschlechterklischees ad absurdum führt und gekonnt ins Gegenteil verkehrt. Hier sind die Frauen die dominanten Wortführer, ihre Männer hingegen haben nicht viel zu melden, fügen sich brav oder sitzen still in ihrem Sessel. Die Darsteller brillieren allesamt, wobei der entwaffnend komische Bruno Ganz als spiritueller „Lebensberater“ die meisten Lacher auf seiner Seite hat.

25.07.2017

5

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Kommentare

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lobo77

Anregend ist, wie jede Menge politisch korrekter Klischees persifliert wird. Die Story selber ist etws an den Haaren herbeigezogen, aber das ist nicht weiter schlimm.

The Party 4

Berufsromantiker

Zunächst dachte ich, der Film ist eher langweilig, aber die Charaktere reißen alles wieder raus. Tolle Schauspielkunst. Wird es sicherlich eines Tage als Theater-Version geben. über die einzelnen Themen kann man mehrmals und lange diskutieren. Tiefgreifend.

The Party 4

gimir

Nicht nur Bruno Ganz sondern das ganze (Theater-)Stück wird exzellent dargestellt. Die Protagonisten überzeugen mit ihrem Schauspieltalent und es wird nie langweilig

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