The Dinner USA 2017 – 121min.

Filmkritik

Alles auf den Tisch

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Ein mehrgängiges Menü in einem Nobelrestaurant bildet in der Romanverfilmung The Dinner den Rahmen für familiäre Grabenkämpfe, Schuldzuweisungen und unliebsame Offenbarungen. Regisseur und Drehbuchautor Oren Moverman (Time Out of Mind, Rampart, The Messenger) verzettelt sich dabei ein ums andere Mal, ist allerdings mit einem versierten Darstellerensemble gesegnet, aus dem ein glänzend aufgelegter Steve Coogan herausragt.

Obwohl er keine große Lust auf das Abendessen mit seinem Bruder Stan (Richard Gere) und dessen Gattin Katelyn (Rebecca Hall) hat, lässt sich der Gewohnheitszyniker Paul Lohman (Steve Coogan) von seiner Ehefrau Claire (Laura Linney) in ein exquisites Restaurant schleppen, wo das Quartett über ein besonders brisantes Ereignis sprechen will: Die Kinder der beiden Paare haben erst vor kurzem ein abscheuliches Verbrechen begangen, wurden bislang aber noch nicht als Täter identifiziert. Bevor die Lohmans zum eigentlichen Grund ihres Treffens vordringen, kommen ständig andere, teilweise schon länger schwelende Konflikte auf den Tisch. Und noch dazu kämpft der Vollblutpolitiker Stan, der einen Gouverneursposten anstrebt, um zusätzliche Stimmen für einen von ihm eingebrachten Gesetzentwurf.

Mit seinen kammerspielartigen Lokal-Szenen erinnert das satirisch angehauchte Drama The Dinner, das auf einem Buch des Niederländers Herman Koch basiert, an Roman Polanskis bitterböse Theateradaption Der Gott des Gemetzels. Begrenzt auf eine New Yorker Wohnung, liefern sich dort zwei Ehepaare – gespielt von Kate Winslet und Christoph Waltz sowie Jodie Foster und John C. Reilly – nach einer Auseinandersetzung ihrer Kinder einen drastischen Schlagabtausch, der die dünne Schicht der Zivilisation schonungslos offenlegt.

Auch in The Dinner ist das destruktive Verhalten der Sprösslinge der Grund für eine aufwühlende Zusammenkunft. Im Gegensatz zu Polanski beschränkt sich Moverman allerdings nicht auf einen Handlungsort. Vielmehr springt der Film immer wieder zwischen den Diskussionen im schmucken Speisetempel und vergangenen Geschehnissen hin und her. Die großen Ambitionen des Drehbuchs sind, besonders in den Rückblenden, stets zu spüren, führen in manchen Fällen aber zu einer deutlichen Überfrachtung, was die Intensität gelegentlich absacken lässt. Eine enorme Dringlichkeit entwickelt das letzte Drittel, wo scheinbar festgelegte Rollen plötzlich aufbrechen und die Selbstgerechtigkeit der feinen Gesellschaft ungeschminkt zu Tage tritt. Neben dem als Miesepeter furios agierenden Steve Coogan spielt sich hier vor allem Laura Linney in den Vordergrund, die Claires knallharten Pragmatismus mit angsteinflößender Vehemenz zum Ausdruck bringt.

30.08.2017

3

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Kommentare

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gugule

vor einem Jahr

Sehr empfehlenswert! Eine tiefe Geschichte ohne stupiden “mainstream effects“....


Blackhorse

vor 2 Jahren

Terrible film which fails to tell an interesting story despite having a great cast. Horribly directed. First time ever I actually considered walking out before the film was over and asking for a refund. Save your money as this one will be on netflix soonest.


SiberianCat

vor 2 Jahren

Schlechter Film ohne Inhalt. In der ersten Stunde geht's um nichts, danach 10 Minuten Inhalt und dann das Ende ohne Ende. Ich fühle mich um mein Geld und meine Zeit betrogen.


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