The Current War USA 2017 – 105min.

The Current War

Filmkritik

Auf Sparflamme erzählt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Schon im Jahr 2017 gedreht, sollte der Film von der Weinstein Company vermarktet werden, dann brach jedoch der Skandal rund um Harvey Weinstein aus, und The Current War wurde an kleinere Distributoren veräussert. Nun hat man die Gelegenheit, ihn endlich zu sehen – doch der Film ist zwar ausstattungstechnisch schön gemacht, er unterschlägt aber die eigentliche Geschichte.

Im Jahr 1880 beginnt die Rivalität zwischen George Westinghouse, der auf Gas setzt, und Thomas Edison, der die Welt mit Elektrizität zum Leuchten bringen will. Die Jahre vergehen, die Rivalität wächst, aber die Nächte werden heller. Die moderne Welt beginnt, während zwei Männer darum kämpfen, den Weg zu bestimmen – der eine reich, aber ohne Vision, der andere arm, aber mit Ideen. Der Kampf, zu bestimmen, wer der Welt die Moderne bringt, kostet beide Männer viel, aber einer geht in dieser Rivalität gänzlich unter: das wahre Genie Nikola Tesla.

The Current War hätte sich nicht um den Konflikt zwischen Edison und Westinghouse, sondern um Edison und Nikola Tesla drehen sollen. Aber Tesla gerät hier zur absoluten Nebenfigur, wobei Fakten ignoriert werden und Edison besser dargestellt wird, als er war. Tesla arbeitete für ihn, wahr ist jedoch, dass Edison ihn im grossen Stil bestahl und Teslas Ideen als die seinen ausgab. Edison wurde reich, Tesla starb verarmt in seinem Appartement. Doch das interessiert den Film nicht. Stattdessen konzentriert er sich auf einen Konflikt, der eigentlich sekundär sein sollte.

Das ist umso bedauerlicher, da Nicholas Hoult, der Tesla spielt, die besten Szenen abbekommen hat. Anhand ihrer kann man erahnen, wie viel aufregender der Film hätte sein können, wenn er sich gänzlich auf Edison und Tesla konzentriert hätte. So hat man jedoch den Fokus auf etwas gelegt, das einerseits nicht besonders interessant ist, andererseits vom Zuschauer Vorwissen erfordert, um das Geschehen historisch einordnen zu können.

Benedict Cumberbatch ist gut, aber ein Opfer des Typecastings: Er spielt wieder einmal das missverstandene, ungewöhnliche Genie. Michael Shannon ist bodenständiger, obwohl er eine Figur spielt, die sich in den höchsten Kreisen bewegt. Es ist milde interessant, beiden Männern zuzusehen, die Figuren berühren den Zuschauer jedoch nicht.

Der Film selbst ist ziemlich langatmig erzählt – und bisweilen irritierend, weil Regisseur Alfonso Gomez-Rejon sehr ungewöhnliche Kameraperspektiven wählt, die der Geschichte nicht zuträglich sind, sondern selbstzweckhaft erscheinen. Hinzu kommt, dass die Geschichte häufig an den historischen Fakten vorbeischrammt. So sehr, dass man sich wünschen würde, dass mit demselben Aufwand ein Film über Nikola Tesla gemacht werden würde.

03.01.2020

2.5

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Kommentare

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abrakadabra5

vor 6 Tagen

War von Anfang bis Ende gut dabei!


navj

vor 11 Tagen

Der Wettlauf der Geschäftemacher Edison und Westinghouse mag historisch bedeutend gewesen sein. Von Alfonso Gomez-Rejon verfilmt wirkt „The Current War“ allerdings ziemlich träge, weil einfach nicht genügend aufregende Dinge passieren und die zentralen Kontrahenten nahezu die gesamte Laufzeit über räumlich voneinander getrennt sind. Trotz jeder Menge Star-Power und beeindruckender visueller Schauwerte will der Funke aufgrund der leider ziemlich faden Story einfach nicht überspringen.Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 11 Tagen

Eine sehr spannende Geschichte etwas langweilig erzählt. Wo wären wir heute, hätte es nicht solch schlaue Köpfe wie Edison und Westinghouse gegeben? Über den Stromkrieg wusste ich nichts und auch George Westinghouse war mir kein Begriff. Zwar hatte er mit dem Wechselstrom die bessere Lösung, konnte aber aufgrund fehlender Patentrechte lange keine Komplettlösung anbieten. In diesem Zwist wird aber ein weiterer Erfinder fast völlig zur Nebenfigur. Nikola Tesla wäre so viel interessanter als Edison gewesen, er war charismatisch und exzentrisch.Mehr anzeigen


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