T2 Trainspotting Grossbritannien 2017 – 117min.

T2 Trainspotting

Filmkritik

The drugs don't work

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Koksen, kotzen, knallen, zweiter Teil: 21 Jahre nach dem Klassiker Trainspotting lässt Regisseur Danny Boyle die Fortsetzung folgen.

War da nicht was? Genau, am Ende von Trainspotting machte sich der gewiefte Renton (Ewan McGregor) mit der Drogenkohle aus dem Staub, und zockte damit seine Freunde Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle) übel ab. Gut, Spud (Ewan Bremner) überliess er seinen Anteil. Aber 4000 Pfund cash sind für einen Junkie nicht gerade ein Grund, ein neues Leben anzufangen.

21 Jahre gehen ins Land, bis sich Renton zurück nach Edinburgh traut. Die Mutter ist gestorben. Und wenn er schon mal da ist, kann er ja auch gleich mal Spud und Sick Boy besuchen. Beide sind grandiose Loser geblieben und richtig schlecht auf Renton zu sprechen, erkennen in ihm aber immer noch den alten Jugendfreund. Ganz im Gegensatz zum ungezähmt cholerischen Begbie, der zur gleichen Zeit aus dem Knast ausbricht und nur eines im Sinn hat: Rache.

Nichts von Begbies Flucht wissend, will sich Renton nach der Stippvisite wieder in Edinburgh niederlassen und mit Sick Boy einen "Sauna-Club" errichten. Für das Etablissement braucht es Geld. Während das aufgetrieben wird, versucht es Spud nochmals mit einem Entzug, gibt Begbie auf Viagra sein kriminelles Comeback, und kommen sich Renton und Sick Boys Freundin Veronika (Anjela Nedyalkova) wesentlich näher...

«Choose life, choose a future...»: Rentons beissend ironische Tirade auf das Mainstream-Dasein ist das Gebet der «Trainspotting»-Fans. Die unverwechselbare Rede gehört zu einem unverwechselbaren Film: Kongenial adaptierte Danny Boyle 1996 die Buchvorlage von Irvine Welsh zu einem unterhaltsamen, verstörenden, surrealen Trip. Seine dreckige und doch durchgestylte Machart und speziell auch sein Soundtrack halfen mit, den Film bereits in den Neunzigern in die Kult-Etage hochzuhieven.

Boyle inszeniert T2 Trainspotting als Kreuzung des ersten Buches und des zweiten namens «Porno». Die Geschichte führt weiter, blendet dabei aber unermüdlich die Vergangenheit ein. Der Kohärenz tut dieses Mischmasch nicht gut: Der Nachfolger erzählt sich episodenhaft und lässt am Ende verstärkt einzelne Szenen – von denen es gewiss ein paar grossartige gibt – und weniger ein ganzheitliches Bild im Gedächtnis zurück.

Die Akzente setzt Boyle stark auf der Beschaffenheit und Wandlung der Freundschaft. Damit hängt der Film am Tropf des Klassikers. Auch visuell. Da die Sehgewohnheiten sich über die letzten zwei Jahrzehnte angepasst haben, halten sich aber auch hier die Überraschungen in Grenzen. Die Chance auf mehr Eigenständigkeit hätte unter anderem in einer spitzeren Kritik am Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft gelegen. Stattdessen ergründet Boyle vornehmlich seine Figuren weiter – bis selbst Begbie in Sentimentalität versinkt.

15.02.2017

2

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Kommentare

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Deg89

Dank seiner ausgereiften Charaktere aus dem Vorgänger und den authentischen Zeitsprung von 20 Jahren schafft
T2 Trainspotting eine ideale Grundvoraussetzung für weitere schräge Momente. Es gibt somit wieder reichlich witzige und gefühlsvoll nostalgische Erlebnisse aller beteiligten. Leider sind viele der Plotelemente überfrachtet und ergeben kein einheitliches ganzes.

T2 Trainspotting 4

cosima_sigrist

Der Film lebt in der Vergangenheit und setzt viel zu stark auf die Melancholie-Schiene. Wieso wurde nicht mehr von der Storyline, in der es auch im Buch geht, aufgegriffen? Das Pornobusiness wurde ja nur ganz am Rande angeschnitten und auch diese Rolle der Veronika fand ich ziemlich fehl am Platz. Schön, dass man Diane wenigstens in einer Szene kurz gesehen hat aber was sollte das? Nach einem roten Faden oder einer wirklichen Handlung sucht man im Film meiner Meinung nach vergeblich und wenn man genauer darüber nachdenkt, stösst man auch auch sehr viele Ungereimtheiten (Beispiel: Nachdem Franco aus dem Gefägnis geflohen und zu seiner Familie gezogen ist, hätte die Polizei dort nicht zuerst nachsehen müssen? Stattdessen lebt er einige Zeit in Frieden und kann seinem Klaugeschäft nachgehen?). Die Musik und der Schnitt sind zwar grossartig und erinnern stark an den ersten Teil aber das war's dann auch schon. Ich habe mich lange auf die Fortsetzung gefreut und der Trailer sieht super aus, war dann aber sehr enttäucht über das Endresultat

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simonhei

nicht mehr so gut wie das Original - aber das ist doch gar nicht möglich, oder?
Trotzdem gelungen

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