Sleepless - Eine tödliche Nacht USA 2017 – 95min.

Sleepless - Eine tödliche Nacht

Filmkritik

Action-Ware von der Stange

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Mit dem Krimidrama Das letzte Schweigen stellte der gebürtige Schweizer Baran bo Odar 2010 sein Händchen für Spannungsstoffe unter Beweis. 2014 folgte der tempo- und wendungsreiche Hacker-Albtraum Who Am I – Kein System ist sicher, der auch in Hollywood auf größeres Interesse stieß. Für sein US-Debüt nahm der talentierte Filmemacher ein Remake des französischsprachigen Actionthrillers Nuit blanche in Angriff, das sich trotz prominenter Besetzung als uninspirierte Fließbandproduktion erweist.

Als der zwielichtige Las-Vegas-Cop Vincent Downs (Jamie Foxx) gemeinsam mit seinem korrupten Partner einen Drogentransport überfällt und 25 Kilogramm Kokain erbeutet, gerät er in arge Bedrängnis. Zum einen setzt ihm die hartnäckige interne Ermittlerin Jennifer Bryant (Michelle Monaghan) zu. Und zum anderen wird sein Sohn entführt, da ihn die Gangster bei dem Raubzug erkannt haben. Casinobesitzer Stanley Rubino (Dermot Mulroney) verlangt umgehend seine Ware zurück, die dem skrupellosen Kriminellen Novak (Scoot McNairy) versprochen ist, und zitiert Vincent in seinen Glückspieltempel, in dem irgendwann auch Bryant mit ihrem Kollegen auftaucht.

Ein Großteil der Handlung spielt an einem Schauplatz, noch dazu während einer einzigen Nacht. Was klaustrophobischen Nervenkitzel verspricht, treibt den Puls in Wahrheit nur selten in die Höhe. Einige Kampfszenen fallen dynamisch aus. Und auch die Verfolgungsjagden sind routiniert choreografiert. Darüber hinaus gibt es jedoch nicht viele Dinge, die man lobend hervorheben könnte. Vielleicht noch das Engagement, das Oscar-Preisträger Jamie Foxx und Michelle Monaghan vor allem in gemeinsamen Szenen an den Tag legen.

Obwohl Downs seinen entführten Sohn retten muss, fehlen dem Actionthriller in vielen Momenten Zug und Dringlichkeit. Egal, wie sehr der von Michael Kamm komponierte Score um Spannungssteigerung bemüht ist. Verhindert wird das Aufkommen einer beklemmenden Atmosphäre auch dadurch, dass man dem zentralen Handlungsort – Rubinos Casino – seine Kulissenhaftigkeit anmerkt. Die Helikopteraufnahmen vom nächtlichen Las Vegas sollen vermutlich eine brodelnde Großstadtstimmung heraufbeschwören, bleiben aber ohne große Wirkung, da sie wahllos in das Geschehen eingestreut werden.

Klischeehafte Figuren, Unglaubwürdigkeiten – Stichwort: Vincents Verletzung – und leicht durchschaubare Twists torpedieren das Interesse des Zuschauers und tragen entscheidend dazu bei, dass man Sleepless – Eine tödlich Nacht rasch vergessen hat. Im Gegenteil zum hochtourigen Verwirrspiel Who Am I, bo Odars Eintrittskarte nach Hollywood, die man ihm nach diesem enttäuschenden Remake hoffentlich nicht sofort wieder abnimmt. Eine zweite Chance im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat er sicherlich verdient.

14.03.2017

2

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Sarina

Action und Spannung von Anfang bis zum Ende! Gut gespielt Foxx...

Sleepless - Eine tödliche Nacht 5

annonymus71

Zum todärgern, dass der Film nur auf Deutsch läuft!

Sleepless - Eine tödliche Nacht 1

Mehr Filmkritiken

Blade Runner 2049

Flitzer

It

Kingsman: The Golden Circle