Patti Cake$ USA 2017 – 109min.

Patti Cake$

Filmkritik

Leben für den Traum

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Geschichte eines Underdogs, der versucht, gegen widrige Umstände und gegen seine Herkunft zu Erfolg zu kommen, ist nichts Neues - sie ist Teil der DNS Hollywoods und eine der vielleicht wichtigsten Geschichten überhaupt, weil jeder sich mit solchen Erfolgsstorys identifizieren kann. Das Thema ist dabei oftmals gar nicht so wichtig. Darum funktioniert Patti Cake$ selbst dann, wenn man mit Rap-Musik gar nichts anfangen kann.

Patti kommt aus ärmlichen Verhältnissen in New Jersey. Sie ist 23, eigentlich schon am Ende, wird wegen ihres Übergewichts nur „Dumbo“ genannt, hat aber einen Traum: Sie will es als Rapperin schaffen. Als Killa P, wie sie sich nennt, doch mit einer Mutter, die ihre Tochter ebenso scheitern sehen will, wie sie es einst tat, und einem Leben inmitten von Gelegenheitsjobs können Träume schnell zerplatzen. Zusammen mit ein paar Freunden versucht Patti aber allem Widerstand zum Trotz, mit ihrer Musik erfolgreich zu werden.

Natürlich ist die Geschichte in ihrem Kern ein Klischee, aber anders als etwa Eminems 8 Mile setzt man hier auf eine grimmige und rohe Authentizität, die den Film über ähnlich gelagerte Produktionen erhebt. Weil man das Gefühl hat, echten Menschen in einer echt miesen Situation zuzusehen. Es ist ein tristes Leben, das Patti führt. Eines, das man selbst niemals haben wollen würde, aber man sieht gerne zu, wie sie versucht, ihren Traum wahrzumachen. Denn eine der Wahrheiten des Lebens ist auch, dass die Realität hart und brutal sein kann – und dass mancher an ihr zerbricht. Aber wie sagte schon Rocky? Es kommt nicht darauf an, wie oft du zu Boden gehst, sondern nur, wie oft du aufstehst. Das ist der Kern einer Geschichte wie dieser. Er ist auch hier vorhanden.

Patti Cake$ ist roh und grimmig. Der Film lebt auch davon, dass das versammelte Ensemble unbekannt ist. Das macht es leichter, in den Figuren echte Menschen zu sehen. Herausragend ist die Australierin Danielle Macdonald, die den New-Jersey-Akzent meistert (und nur in einer einzigen Szene einen Hauch ihres eigenen Akzents hören lässt). Sie versteht es, die scheue, aber in ihrer Musik durchaus auch aggressive junge Frau zu spielen, mit Nuancen und Feinheiten, die dafür sorgen, dass dies eine der besten Performances des Jahres ist.

Die Geschichte fühlt sich echt an. Hier gibt es keinen Hollywood-Glamour á la 8 Mile. Stattdessen geht Patti Cake$ dorthin, wo es weh tut, endet aber mit einem Triumph, der jedoch die Integrität der Geschichte nicht verrät. Dies ist einer der überraschendsten und besten Filme des Jahres und damit absolut wert, gesehen zu werden.

06.11.2017

4

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