Lieber leben Frankreich 2016 – 110min.

Lieber leben

Filmkritik

Eine Spur zu cool

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Persönliche Schicksale machen sich immer gut auf der Kinoleinwand – zumindest wenn sie ein Happy End haben. Eben weil sie im realen Leben verwurzelt sind, können diese Filme noch mal anders berühren als reguläre Popcorn-Blockbustern. Aber wenn man es versäumt, bei der eigenen Geschichte den richtigen Ton zu treffen, verläuft das Schicksal im Sande.

Das Problem hat auch Lieber Leben des Regie-Duos Grand Corps Malade und Mehdi Idir. Der Film basiert auf dem Schicksal des französischen Rappers Grand Corps Malade, der 1997 nach einem Sprung ins Schwimmbad gelähmt war. Nach der ersten Diagnose hieß es, er werde nie wieder laufen können, aber der Rapper boxte sich durch alle Widrigkeiten und stand zwei Jahre später tatsächlich wieder auf eigenen Beinen. Heute hat er aus der Not eine Tugend gemacht und seinen Gehstock zu seinem Markenzeichen gemacht. Seine Geschichte hat er zunächst als Buch veröffentlicht und nun auf die große Leinwand gebracht.

Der Film konzentriert sich einzig auf die Monate in der Reha-Klinik. Grand Corps Malades Alter Ego heißt hier Benjamin und der hat neben seinem Schicksal vor allem mit nervigen Pflegern, schlechtem Essen und Langeweile zu kämpfen. Doch bald freundet er sich mit anderen Jungs an und er verliebt sich in die charmante Samia.

Eigentlich hat Lieber Leben damit alle Zutaten für einen bewegenden Film und beginnt auch vielversprechend: Die ersten Tage in der Klinik, die Verzweiflung über die eigene Unbeweglichkeit, das Ausgeliefert sein, die Langeweile, all das bereitet das Regieduo knackig und eindrücklich auf, immer begleitet von einem lockeren Spruch und einer großen Portion Coolness. Aber genau das wird irgendwann zur Krux des Films, denn er verlässt nie die Ebene des abgeklärten Humors, emotionale Befindlichkeiten werden permanent heruntergespielt und sind allenfalls erahnbar.

Durch die durchgehend lässige Attitüde entwickelt der Film keine dramaturgische Fallhöhe, vielmehr wirkt alles wie eine Anhäufung von besonderen Hospital-Begebenheiten und es dominiert das Cliquen-Feeling auf den Fluren. Während die TV-Serie Der Club der roten Bänder bewiesen hat, dass man den Klinikalltag ebenso unsentimental wie bewegend erzählen kann, wirkt hier das Geschehen auf Dauer redundant. Und so hat Lieber Leben leider seine Chance vertan, ein bewegendes Biopic zu werden, sondern er verhält sich eher wie eine Clique Jungs, die, sobald ein Mädchen auftaucht, die großen Checker geben und eine wesentliche Sache verstecken: ihre Emotionen.

13.12.2017

3

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