The New Mutants USA 2018 – 94min.

Filmkritik

Das lange Warten

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Drei Jahre, nachdem The New Mutants gedreht wurde, mehr als zwei Jahre, nachdem er im Kino hätte debütieren sollen und nach sechs Verschiebungen hat es der Film inmitten der Corona-Krise tatsächlich in die Lichtspielhäuser geschafft.

Dani Moonstars (Blu Hunt) komplette Familie stirbt in einem Unglück. Das teilt man ihr zumindest mit, als sie in der Einrichtung aufwacht, wo junge Mutanten evaluiert, getestet und betreut werden. Eigentlich hatte Dani aber das Gefühl, verfolgt zu werden, und das Hospital, in dem nur eine gewisse Dr. Reyes (Alice Braga) zugegen ist, mutet eher wie ein Gefängnis an. In Rhane (Maisie Williams) findet Dani eine Verbündete. Die kann sie gut gebrauchen, denn inmitten der Hallen des gruseligen Krankenhauses treffen die Mutanten auf ihre grössten Ängste, sodass sich ihnen schon bald die Frage stellt, ob sie nicht verschwinden müssen, wenn sie überleben wollen.

Der Plan war immer, keinen weiteren Superheldenfilm zu machen, sondern einen, der die Mutanten des X-Men-Universums in den Kontext eines Horrorfilms verfrachtet. Josh Boone war der ideale Regisseur dafür, weil es auch um Jugendliche, ihre Ängste, ihre Traumata und ihr Erwachsenwerden geht. Was man nun sieht, ist seine Version, die er vor mehr als zwei Jahren abgeliefert hat. Vom Studio gewünschte Nachdrehs fanden nie statt. Das Ergebnis ist besser als befürchtet, im Rahmen dessen, was man bei einem Film des X-Men-Universums erwartet, aber auch deutlich kleiner.

Der Horroraspekt ist nett, wirklich gruselig wird der Film aber nie – er kann hier nie seine Wurzeln im Superhelden-Genre hinter sich lassen. Stattdessen funktioniert er bei der Präsentation seiner Figuren. Tatsächlich lässt sich The New Mutants Zeit, die einzelnen Mutanten, ihre Ängste und Sorgen einzuführen. Das ist langsamer, als man es bei einem Marvel-Film erwartet, die Charakterbildung ist aber eine der Stärken des Films.

Die Figuren sind lebendig, entsprechen der Vorlage und sind gut gespielt, das Ambiente des fast gänzlich verlassenen Krankenhauses verströmt einen Hauch von unheimlicher Atmosphäre, letzten Endes fügen sich aber nicht alle Elemente zu einem homogenen Ganzen zusammen. The New Mutants ist zwar besser, als man nach all den Verschiebungen hätte erwarten dürfen, es wäre aber sicherlich noch mehr drin gewesen, wenn das Studio Boone von Anfang an komplett freie Hand gelassen hätte.

Der Film hätte im grossen Stil das X-Men-Universum bereichern, neue Facetten herausstellen und den Grundstein für eine Trilogie bilden sollen. Nachdem Fox an Disney verkauft wurde und das X-Men-Universum beendet ist, um bei Marvel Studios irgendwann neu aufzuerstehen, ist dieser Film lediglich ein Nachgedanke. Ein Memento dessen, was hätte sein können.

10.09.2020

3

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Kommentare

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elelcoolr

vor 8 Monaten

Dieser Film ist seelenlos, langweilig und schlecht. Kommt sehr billig daher und gehört nicht auf die grosse Leinwand. Sieht aus wie einer der unendlich vielen durchschnittlichen Filme, die auf Netflix laufen. Die Schauspieler tun mir leid. Die machen ihre Sache nicht schlecht.


navj

vor 8 Monaten

Oft verschoben, von vielen längst abgeschoben, ist „The New Mutants“ am Ende besser als befürchtet, jedoch nicht so gut wie erhofft. Die gute Besetzung trägt dazu bei, dass die Geschichte um traumatisierte Jugendliche mit übernatürlichen Kräften zeitweilig berührt. Richtig spannend ist der Film dennoch nicht, geradeswegs zum Schluss hin enttäuscht das Ganze.Mehr anzeigen


Filmenthusiast

vor 8 Monaten

Meine Erwartung war sehr tief seit dem letzten grottenschlechten X-Men, deshalb wurde ich positiv überrascht. Er hat mir überraschenderweise trotz Schwächen gefallen. Das könnte auch an der Hauptdarstellerin liegen, die mir ausgesprochen gefallen hat :)

Zuletzt geändert vor 8 Monaten


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