McQueen Grossbritannien 2017 – 111min.

Filmkritik

Seelenqualen eines Ausnahme-Designers

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

McQueen ist eine äusserst intime, feinfühlige Annäherung an einen der begabtesten Modeschöpfer der letzten Jahrzehnte. Die mit spannendem Archivmaterial gespickte Doku beleuchtet die komplexe Persönlichkeit Alexander McQueens in all ihren Facetten.

Lee Alexander McQueens Geschichte vom einfachen Jungen aus East London zu einem der gefragtesten Designer der Welt ist ein modernes Märchen. McQueen befasst sich damit, wie es der Punk-Rebell und Arbeitersohn nach Paris und an die Spitze der Modewelt schaffen konnte. Darüber hinaus beleuchtet der Film die Ängste und Sorgen des perfektionistischen Workaholics, der als Kind körperliche Gewalt sowie Missbrauch erfuhr – und im Alter von nur 40 Jahren Selbstmord beging.

Regisseur Ian Bonhôte machte sich für seinen ersten Film seit dem Action-Thriller Alleycats (2016) auf die Suche nach McQueens engsten Freunden, früheren Kollegen und Familienmitgliedern. Ihm war es eigenen Aussagen zufolge wichtig, einen Film über den Menschen McQueen zu drehen. Da dies vor allem durch intime Gespräche mit Weggefährten und Vertrauten gelingt, nehmen die Interviews eine zentrale Stellung im Film ein.

Durch sie erfährt der Zuschauer unter anderem Erhellendes über die Motivation und Willenskraft des sensiblen und zu Schwermut neigenden Modeschöpfers. Dabei kommt immer wieder auch sein gewaltiges schöpferisches Talent zur Sprache. Mit leuchtenden Augen und voller Enthusiasmus erinnern sich einige der Interviewten, zum Beispiel Ex-Kommilitonen und seine damalige Hochschullehrerin, an die Fähigkeiten des jungen McQueen. Schon Anfang der 90er-Jahre, er war gerade 21 Jahre alt, konnten ihm seine Dozenten nichts Neues mehr über Design und Kunst erzählen.

Neben den sehr persönlichen Äusserungen der Befragten (darunter auch sein Ex-Lebensgefährte sowie sein Neffe), profitiert der Film von den spannenden, privaten VHS- und Super-8-Aufnahmen aus dem Archiv McQueens. Durch sie erhält man einen ungekünstelten, unverstellten Blick auf das Wesen des in der Öffentlichkeit so zurückhaltend auftretenden McQueen, der Zeit seines Lebens nur wenige Interviews gab. So ergibt sich das Bild einer zerbrechlichen, gequälten Seele. Einer von Selbstzweifeln und inneren Dämonen zerfressenen Persönlichkeit. Und eines unter immensem Erfolgsdruck stehenden Menschen, der aber immer wieder auch zu Spässen aufgelegt war und – davon zeugen die Aufnahmen ebenfalls – bei der Arbeit regelrecht aufblühte.

Und nicht zuletzt bietet McQueen visuell einiges: Die kunstvollen Collagen und verspielten Animationen, die das Werk optisch vielseitig und an klug gewählten Stellen ausschmücken, passen wunderbar zur Mode McQueens, die sich seit jeher durch einen hohen ästhetischen Wert, Stil und einen Hang zur Provokation auszeichnete.

14.08.2018

5

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