Lady Bird USA 2017 – 93min.

Lady Bird

Filmkritik

Mutter weiss es besser

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Die Oscar-nominierte Studie des Lebens eines amerikanischen Teenagers ist Greta Gerwigs brillanter Regie-Erstling, der seine Stars Saoirse Ronan, Laurie Metcalf und Newcomer Timothée Chalamet scheinen lässt.

Christine „Lady Bird“ McPherson (Saoirse Ronan) ist ein kluger, launischer, unabhängiger und eigenwilliger Teenager, der im kleinstädtischen Sacramento aufwächst. Sie hasst das letzte Jahr an einer katholischen High School, träumt von der grossen Liebe und einem Leben erfüllt von Kultur an einer Universität an der Ostküste. Ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) sieht es aber als ihre Aufgabe, Christine mit gut gemeinten Ratschlägen und fast erstickender Mutterliebe auf den Boden der Realität zurückzuholen, was Lady Bird fast an den Rande des Wahnsinns treibt.

Unzählige Filme von Pretty in Pink über Grease bis zu Porky's machen das Erwachsenwerden zu seinem eigenen Filmgenre, das oft plakativ, klischeebeladen und manchmal auch unter der Gürtellinie abgehandelt wird. Die Autorin und Regisseurin Greta Gerwig, die als Schauspielerin in Filmen wie Jackie oder Frances Ha brillierte, hat einen ganz anderen Zugang. Die emotionale Achterbahn der Teenjahre wird von ihr nicht als lächerlich oder skandalös abgetan, sie nimmt das Stadium zwischen Kindheit und Erwachsensein ernst. „Ich wünschte, ich könnte etwas erleben“, beklagt sich Lady Bird über ihr scheinbar banales Leben im „Mittleren Westen Kaliforniens“, wie sie Sacramento abschätzig nennt, ohne zu realisieren, dass es aus lauter Erlebnissen besteht, die ihre Zukunft beeinflussen.

Wie viele Teenager glaubt Lady Bird, dass ihr jugendliches Leben furchtbar langweilig ist. Sie hat grosse Ambitionen, will an eine prestigeträchtige Uni an der Ostküste gehen, aber alle Erwachsenen sagen ihr, dass sie sich mit ihren Noten und Mangel an Finanzen mit der hiesigen Volkshochschule zufrieden geben müsse. Sie sucht nach der grossen Liebe, wird von ihrem Schultheaterkollegen (Lucas Hedges) und dem hiesigen Bad Boy Kyle (Timothée Chalamet) aber nur enttäuscht.

Eine der wichtigsten Beziehungen in Lady Birds Lebens ist aber die mit ihrer Mutter. Mit scharfem Blick und erstaunlicher Einsicht porträtiert Gerwig die Mutter-Tochter-Beziehung, die von liebevoll bis missbräuchlich alle Schattierungen beinhaltet. Voller Fürsorge gibt Lady Birds Mutter ihrer Tochter gut gemeinte, aber oft fehlgeleitete Ratschläge, die nur den Widerstand der Tochter provozieren. „Deine Mutter ist sehr hart mit dir“, stellt Boyfriend Danny fest, worauf Lady Bird kontert: „Nun, sie liebt mich halt sehr".

Mit genialem Scharfsinn beschreibt Lady Bird die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens und die Komplexität der Mutter-Tochter-Beziehung, weshalb der Film, seine Regisseurin und die Hauptdarsteller zu Recht für zahlreiche Oscars nominiert wurden. Die Sensibilität, mit der hier ein kleines Kapitel Menschengeschichte behandelt wird, erinnert an den letztjährigen Oscar-Gewinner Moonlight, und genau deshalb hätte es Lady Bird auch verdient, ein paar der Academy Awards nach Hause nehmen zu dürfen. Mein Lieblingsfilm des letzten Jahres.

16.04.2018

5

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Kommentare

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Barbarum

vor einem Monat

Umschifft man die etwas raueren Stellen und Abschweifungen, entdeckt man eine aufmerksam beobachtete Geschichte über das Erwachsenwerden unterlegt mit vortrefflichen Leistungen der Schaupsieler und smarten Dialogen.


rosenthaler

vor 4 Monaten

not bad


selinaburri

vor 5 Monaten

Wow!!!!!


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