Knock Belgien, Frankreich 2017 – 113min.

Knock

Filmkritik

Hochstapler mit grossem Herz

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Einen Haftentlassenen mit Migrationshintergrund hat Omar Sy 2011 gespielt, ohne entsprechende Ausbildung bei einem Bonzen im Rollstuhl als Pfleger angeheuert und ist mit Intouchables schlagartig bekannt geworden.

In der Folge hat er mit Filmen wie Samba und Chocolat in Frankreich steil Karriere gemacht. In Knock nun – die Ähnlichkeit mit Intouchables ist nicht zu übersehen – spielt Omar Sy einen Kleinganoven, der im Marseille der späten 1940er-Jahre auf der Flucht vor seinen Gläubigern auf einem Schiff als Arzt anheuert. Nicht, dass er ein entsprechendes Diplom besässe. Doch Mediziner sind in der Nachkriegszeit knapp, Knock ist ein sympathischer Kerl und das Schiff kann ohne Arzt nicht auslaufen. Weil sein erster Patient seinen Typhus selber diagnostiziert und auch weiss, wie man diesen behandelt, wird Knocks Einsatz als Schiffsdoktor ein Erfolg, und er beschliesst, Medizin zu studieren. Fünf Jahre später übernimmt er im südfranzösischen Saint-Maurice die Dorfpraxis. Sein Vorgänger ist damit nicht reich geworden, denn die Bevölkerung ist kerngesund. Doch Knock rührt geschickt die Werbetrommel, bringt damit innert kürzester Zeit nicht nur seine Praxis, sondern auch die Apotheke zum Florieren und bald schon baut man das Dorfhotel in ein Krankenhaus um. Doch dann nistet sich beim eh schon misstrauischen Pfarrer ein mysteriöser Fremder ein, der einiges aus Knocks offensichtlich düsteren Vergangenheit weiss.

Ein Hochstapler, ein Pfarrer und ein Dorf voller eingebildeter Kranker: das ist grossartiger Komödienstoff. Tatsächlich beruht der Film von Lorraine Lévy auf einem Theaterstück, das Jules Romain Anfang der 1920er-Jahre unter dem Eindruck aufkommender Nationalbewegungen schrieb: „Knock ou le Triomphe de la médecine“ ist eine zynische Komödie um einen schurkenhaften Doktor, der seine Patienten mit zweifelhaften Methoden von sich abhängig macht. Lévy nun aber verlegt die Handlung aus den 1920ern in die vom einsetzenden Wirtschaftsboom bestimmten 1950er-Jahre und macht aus der düsteren Farce eine leichtfüssige Komödie. Die funktioniert prima, solange Sy seinen Charme spielen lässt und die Dorfbevölkerung an der Nase herumführt. Doch je länger Lévys Film dauert, desto romantischer wird er; Schliesslich verliebt er sich in eine Bauernmagd und lässt sich ihr zuliebe gar herab, Hunde zu kurieren. Damit verliert Romains bösartiger Doktor jeden Zynismus und Lévys Komödie schliesslich jeden Biss.

30.04.2018

3

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Kommentare

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nick74

Naja, bin in der Pause gegangen.

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