Jugend ohne Gott Deutschland 2017 – 114min.

Jugend ohne Gott

Filmkritik

Jeder für sich

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

In Jugend ohne Gott, einer freien Neuinterpretation des gleichnamigen Romans von Ödön von Horváth, entwirft der in der Schweiz geborene Filmemacher Alain Gsponer (Heidi) eine Zweiklassengesellschaft in einer nicht allzu fernen Zukunft, die von einem brutalen Leistungsgedanken beherrscht wird. Über spannende Ansätze kommt der plakative Dystopie-Thriller jedoch nicht hinaus.

In einer Welt, in der Arm und Reich in unterschiedlichen Sektoren leben, macht sich eine Klasse von privilegierten Schülern auf den Weg zu einem Assessment-Center in den Bergen. Unter den Teilnehmern, die hochanspruchsvolle Aufgaben mit Bestpunktzahlen absolvieren müssen, befindet sich auch die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg), die ebenso wie ihre Konkurrenten um jeden Preis einen Platz an einer renommierten Rowald-Universität ergattern will. Einzig der eigenbrötlerische Zach (Jannis Niewöhner) zeigt nur wenig Interesse am Wettbewerb. Erst recht, als er der im Wald hausenden Ewa (Emilia Schüle) begegnet, die zusammen mit anderen Ausgestoßenen ums nackte Überleben kämpft. Eines Tages geschieht im Hochleistungscamp ein Mord, der eine verhängnisvolle Spirale in Gang setzt und den eigentlich angepassten Lehrer der Eliteschüler (Fahri Yardim) zunehmend ins Grübeln bringt.

Befasste sich Ödön von Horváth in seinem 1937 veröffentlichten Roman noch mit den Auswüchsen des Faschismus, nehmen sich Gsponer und das Drehbuchgespann Alex Buresch und Matthias Pacht unsere digital vermessene Leistungsgesellschaft vor und werfen ein nur leicht futuristisch wirkendes Zweiklassensystem an die Wand, in dem Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit nahezu keine Bedeutung mehr haben. Im Fahrwasser der erfolgreichen Tribute von Panem-Reihe zeichnet Jugend ohne Gott eine Welt, in der Drohnen jeden Schritt verfolgen, Menschen nur noch dann etwas zählen, wenn sie durchsetzungsfähig sind, und schwache Bürger rücksichtslos an den Rand gedrängt werden.

Löblicherweise beleuchten die Macher dieses durchaus reizvolle Szenario aus mehreren Perspektiven, was der Handlung Dynamik und den Figuren zusätzliche Tiefe verleihen soll. Leider bleiben die Protagonisten allerdings eindimensionale Typen, die jeweils eine ganz bestimmte Ausprägung des abgebildeten Gesellschaftsmodells verkörpern. Statt Nuancen sind dicke Pinselstriche angesagt. Auch bei einer viel zu hastig angebahnten Liebesgeschichte, die ungewollte Lacher produzieren könnte. Spannungshemmend sind außerdem einige Nachlässigkeiten in der Konstruktion der Geschichte, die den Zuschauer aus dem Geschehen reißen und über Fragen der inneren Logik grübeln lassen. Nicht zuletzt deshalb kann Jugend ohne Gott als Zukunftsthriller höchstens in Ansätzen überzeugen.

31.08.2017

2

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Kommentare

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_62_8_32

vor einem Jahr

Seit langem einer der schlechtesten Filme ever ever ever..... Handlungen flach, Geschichte ausgelutscht, Schauspieltalent dürftig..... einfach nicht empfehlenswert


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