High Society Deutschland 2017 – 101min.

High Society

Filmkritik

Ein Luxus-Girl auf Abwegen

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Anabel von Schlacht (Emilia Schüle) hat es nicht leicht im Leben: Als Luxus-Girl aufgewachsen, erfährt sie mit 25 Jahren, dass sie als Baby vertauscht wurde – und ihre leibliche Mutter in Wirklichkeit eine mittellose Kassiererin und Aktivistin ist. Ein harter Brocken, den es nun zu schlucken gilt: Die neue Schwester zieht sogleich bei ihrer sonst so unterkühlten Mutter (Iris Berben) und ihrem Bruder Albrecht (Jannik Schümann) in die Villa ein und versetzt diese in Freudentaumel, wohingegen Anabel wiederum bei ihrer Erzeugerin Unterschlupf im Plattenbau sucht und sich als normale Person mit einem Job durchzuschlagen versucht.

Dabei geht schon der Start mächtig schief: Als Anabel ihre «neue» Mutter in deren Wohnung in einer ärmlichen Berliner Gegend begrüsst, wird ihr gesamtes Gepäck (Louis-Vitton Taschen, versteht sich) aus dem Cabrio geklaut – und wenige Momente später ist auch das Luxus-Auto weg. Da steht sie nun wie ein begossener Pudel in ihren High-Heels und ihrem Designer-Fummel, den ihre nichtsahnende Mutter und Ökotante Carmen Schlonz (Katja Riemann) mal kurz mit einem Bademantel verwechselt. Da kann leider auch der zum Anbeissen aussehende Polizist von nebenan (Jannis Niewöhner) nicht mehr viel machen.

Ein netter Versuch, dem Zuschauer mit Skurrilitäten und enormen Übertreibungen ein Grinsen zu entlocken. Leider funktioniert das nur die wenigsten Male: High Society versucht witzig zu sein, indem immer wieder auf den gleichen Klischees herumgeritten wird – diese bringen aber nichts Neues und machen die Story damit auch leicht durchschaubar: Arm trifft auf Reich und zum Schluss haben sich alle ganz dolle lieb. Nett gemeinte Lacher und ein vorhersehbarer Plot sind an und für sich noch kein Verbrechen – wieso sich die Macher dazu entschieden haben, dieser Sache auch noch Fifty Shades of Grey-Elemente beizumischen, versteht schlussendlich wohl aber niemand so richtig.

Einzig die Nebenhandlung rund um Carmen Schlonz entlockt hie und da ein paar Lacher: Sie lebt schon fast kommunenmössig mit ihrer zusammengewürfelten Familie in einer winzigen Wohnung, will ihre aktivistischen Tätigkeiten unbedingt ins Strafregister bringen und verdient als Kassiererin ihr Geld, wobei es vorkommen kann, dass sie dem Kunden an der Kasse einen Vortrag darüber hält, wieso die Leberwurst in seinem Einkaufswagen sowohl ethisch als auch ökologisch ein völliger Fehlkauf ist. Katja Riemann verleiht ihrer Figur eine herrliche Portion Selbstironie und macht die Szenen mit der Aktivistin damit überraschend unterhaltsam. Auch die restlichen Schauspieler nehmen ihre Figuren zum Glück nicht allzu ernst und lassen die Komödie damit sehr parodisch wirken.

Führt man sich vor Augen, dass sich High Society mit pinken Schriftzügen, einer Ansammlung von gefragten Jungschauspielern (Jannik Schümann, Emilia Schüle und Jannis Niewöhner waren gerade in Jugend ohne Gott zu sehen ) und einem modern-poppigen Soundtrack an ein eher weibliches und junges Publikum richtet, kann man dem Film wohl verzeihen, dass er leicht kitschig, vorhersehbar und nur bedingt lustig ist: Bei High Society kann man definitiv den Kopf ausschalten und sich für zwei Stunden berieseln lassen.

13.09.2017

2

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Kingsman: The Golden Circle

Barry Seal - Only in America

Bigfoot Junior

Hereinspaziert