No Way Out - Gegen die Flammen USA 2017 – 134min.

No Way Out - Gegen die Flammen

Filmkritik

Brandgefährlich

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nicht selten werden reale Katastrophen im Hollywood-Kino zu effektlastigen Action-Spektakeln aufgepumpt und mit überzogen pathetischem Gestus in Szene gesetzt. Dass es auch anders geht, beweist Filmemacher Joseph Kosinski (Oblivion) in No Way Out – Gegen die Flammen, einem Tatsachendrama, das die gefährliche Arbeit einer Feuerwehreliteeinheit schildert und seine Protagonisten erfrischend bodenständig zeichnet.

Der erfahrene Feuerwehrmann Eric Marsh (Josh Brolin) möchte mit seinem Team unbedingt den renommierten Hotshot-Status erhalten, der für speziell ausgebildete Einsatztruppen steht, die an vorderster Front gegen Wald- und Flurbrände kämpfen. Zum Missfallen seiner Ehefrau Amanda (Jennifer Connelly) steckt er all seine Energie in die berufliche Herausforderung und zeigt wenig Interesse, mit ihr über die Familienplanung zu sprechen. Etwas widerwillig nimmt Marsh den drogenabhängigen Brendon McDonough (Miles Teller) in seine verschworene Einheit auf, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten langsam integrieren kann. Als die 20-köpfige Crew endlich als Hotshot-Team anerkannt wird, ist die Freude riesig. Der am 28. Juni 2013 ausbrechende Brand auf dem Yarnell Hill in Arizona bringt Marsh und seine Mitstreiter allerdings in grosse Gefahr.

Das von Ken Nolan und Eric Warren Singer verfasste Drehbuch basiert auf einem Artikel aus dem GQ-Magazin und nimmt sich erfreulich viel Zeit, um das harte Training der Feuerwehrmänner und ihre privaten Hintergründe zu beschreiben. Statt einer ausufernden, krachenden Effektorgie, wie sie etwa Peter Berg im Ölbohrdrama Deepwater Horizon entfacht, erwartet den Zuschauer hier eine verhältnismässig differenzierte Aufarbeitung, die immer wieder Platz für ergreifende zwischenmenschliche Szenen lässt. Ohne zu aufdringlich zu werden, beleuchtet Kosinski die alltäglichen Sorgen seiner Hauptfiguren und gewährt dem mitteleuropäischen, mit flächendeckenden Waldbränden wenig vertrauten Zuschauer spannende Einblicke in die schweisstreibende, lebensgefährliche Arbeit der Hotshot-Einheiten, denen unter anderem die Aufgabe zufällt, in direktem Kontakt mit dem Feuer Schneisen anzulegen.

No Way Out – Gegen die Flammen hebt sich in vielen Momenten wohltuend vom üblichen Katastrophenschauspiel Hollywoods ab und geht auch deshalb unter die Haut, weil die Darsteller mit glaubwürdig-ungekünsteltem Engagement zu Werke gehen. Der Zusammenhalt der Gruppe wirkt authentisch. Und die Rolle des kernig-zupackenden, väterlichen Ausbilders scheint dem Charakterkopf Josh Brolin wie auf den Leib geschrieben – weshalb die dramatischen Ereignisse im Schlussdrittel umso stärker nachwirken.

03.05.2018

4

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Kommentare

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oscon

vor einem Monat Exzellent

Kein Katastrophenfilm, sondern ein Buddy-Movie nach einer wahren Begebenheit rund um ein Team von Feuerbekämpfern in Arizona, welches zur "Hotshots"-Elitetruppe aufsteigen möchten.
Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt rund um den drogenabhängigen Brendon (stark: Miles Teller) und seine letzte berufliche Chance bei der Feuerwehr.
Josh Brolin, als Chef der Truppe und Jennifer Connelly spielen das desillusionierte Ehepaar Marsh mit Bravour.
Da der Zuschauer die Entwicklung zur verschworenen Einheit filmisch mitbegleitet, geht der Höhepunkt des Films, das Drama rund um die Bekämpfung des Yarnell Hill Feuers extrem unter die Haut. Dramatisch, realistisch!Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 2 Monaten

Die Protagonisten zeigen kein patriotisches Ami-Heldentum, sondern echten Mut und echte Menschlichkeit. Das ist sehr erfrischend und macht die Männer sehr sympathisch. Ausserdem hat man als Zuschauer das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Die Verschmelzung von echtem und am Computer entstandenem Feuer ist beeindruckend. Feuer zu animieren ist etwas vom schwierigsten überhaupt.Mehr anzeigen


navj

vor 2 Monaten Exzellent

Joseph Kosinski schafft es mit „No Way Out: Gegen die Flammen“ den Helden der Granite Mountain Hotshots ein Denkmal zu setzen und zeigt eine Art von Heldentum, die das Individuum braucht, aber nur im Kollektiv funktioniert. Bei der Truppe der Granite Mountain Hotshots herrscht eine raue, sehr männliche Energie; gegenseitiges Aufziehen, ein ständiges Spiel aus Protzereien und dann auch wieder freundschaftliche Bestätigung. Der Film ist packend inszeniert, bis zuletzt spannend umgesetzt und wird mit einzigartigen Bildern umrahmt.Mehr anzeigen


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