Girls Trip USA 2017 – 122min.

Girls Trip

Filmkritik

Vier Frauen auf Abwegen

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Vier Mädels, drei Tage, eine Riesensause: Filme wie Girls Trip gibt es wie Sand am Meer. Neu ist aber, dass die Frauen schwarz und über vierzig sind: Wohl ein Grund, wieso die Komödie in Ländern wie Schweden besser ankam als erwartet.

Ryan (Regina Hall) scheint ein perfektes Leben zu haben, oder zumindest vermittelt das der Titel ihres extrem erfolgreichen Buches. Hinter der Fassade ist aber nicht alles so glamourös, wie es zunächst scheinen mag: Ihr Mann betrügt sie, ihre Karriere steht auf wackligen Beinen und ihre 3 besten Freundinnen aus der Uni-Zeit hat sie schon seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen. Als sie des Berufes wegen für ein Wochenende an ein Musikfestival in New Orleans eingeladen wird, packt sie die Gelegenheit am Schopf und lässt Lisa (Jada Pinkett Smith), eine überbesorgte und geschiedene Mutter, Dina (Tiffany Haddish), die soeben ihren Job verloren hat und in ihrem Umfeld für Chaos sorgt, und Sasha (Queen Latifah), eine berühmte Gossip-Bloggerin, an ihrem exklusiven VIP-Wochenende teilhaben. Was erst nach drei ruhigen Tagen in gesitteter Umgebung aussieht, läuft bald schrecklich schief und so langsam beginnt bei allen vier Frauen die Fassade zu bröckeln.

Zunächst einmal erscheint Girls Trip wie eine etwas derb geratene Komödie à la Girl’s Night Out: Die Geschichte ist ziemlich plakativ, die Figuren wie man es in einer Clique von vier Frauen erwarten würde – es gibt die Brave, die Erfolgreiche, die Ausreisserin und die Verräterin – und von Anfang an wird Gag an Gag gereiht, wobei diese zum Teil auch weit unter der Gürtellinie ausfallen und damit für manche wohl zu viel sein werden. Auf den zweiten Blick ist bei Girls Trip aber vieles anders: Der Humor ist an manchen Stellen absolut pointiert, die Feel-Good-Geschichte ist bunt und hat mit dem erfrischenden Schauplatz von New Orleans einige musikalische Highlights zu bieten. Dass die doch eher als 0815-geratene Story funktioniert, hat vor allem mit dem Schauspielquartett um Jada Pinkett Smith zu tun: Zwischen ihnen scheint die Chemie zu stimmen. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass inmitten der Slapstick-Comedy viele Gags trotzdem zünden, die Figuren aber nichtsdestotrotz in ernsteren Situationen noch einigermassen glaubwürdig wirken.

Damit ist Girls Trip oberflächlich gesehen zwar immer noch vorhersehbar, an vielen Stellen niveaulos und grundsätzlich nichts Neues. Die erfrischende Kombination von vier schwarzen Frauen über vierzig, die zusammen ein Musikfestival in New Orleans unsicher machen, kommt dann schlussendlich aber doch eher unkonventionell daher. Vor allem der Schauspielleistung der sogenannten Flossy Posse ist es zu verdanken, dass man trotz vielen Gags unter der Gürtellinie bei Girls Trip absolut Spass haben kann. Und an Hollywood sendet die Komödie eine schöne Botschaft: Auch wenn die Komödie wohl nicht jedermanns Sache ist, können Filme, die nicht dem generellen Erfolgskonzept der Traumfabrik entsprechen, funktionieren – das beweist die afroamerikanische Kombo rund um Jada Pinkett Smith eindrücklich.

28.11.2017

3

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Kommentare

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Ortygiano

vor einem Jahr

Schon lange nicht mehr so gelacht. Dem Schubidu-Hollywood-Superschmalz-Happyend muss ich aber einen Stern abziehen.


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