Ce qui nous lie Frankreich 2017 – 113min.

Ce qui nous lie

Filmkritik

Ein Weingut und die alten Wunden, die es mit sich trägt

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die mit leisem Humor garnierte Tragikomödie vereint drei Geschwister auf dem elterlichen Weingut. Nach dem Tod des Vaters müssen sie sich schweren Entscheidungen stellen. Ce qui nous lie erzählt in ruhigem Tempo und mit hypnotischen Panorama-Aufnahmen von den Wunden der Vergangenheit.

Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren zurück in seine französische Heimat. Der Grund: sein Vater liegt im Sterben. Schon lange war dieser nicht mehr in der Lage, das Familien-Weingut am Laufen zu halten. Dafür sorgten Jeans Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil). Nach dem Tod des Vaters müssen sich die Drei entscheiden, ob sie das Gut weiterführen oder verkaufen sollen. Nicht das einzige Problem: im Laufe der Jahre haben sich zwischen den Geschwistern Gräben aufgetan, die sich nicht so leicht schließen lassen.

Um die Arbeit eines Winzers sowie alle Phasen der Weinproduktion realistisch darzustellen, dehnte Regisseur Cédric Klapisch die Dreharbeiten auf zwölf Monate aus. Ce qui nous lie ist Klapischs erster Film seit Casse-tête chinois von 2014. Seit jeher ist Klapisch für die Verschmelzung von melancholisch-nachdenklichen Elementen mit humorvollen Tönen bekannt – so gelangen ihm Kritikererfolge wie Paris (2008) und L’auberge espagnol (2002).

Auch in Ce qui nous lie gelingt es Klapisch geschickt, bedrückende Momente mit sanftem Witz zusammenzubringen - wobei der Schwerpunkt eindeutig auf dem Wehmütigen und Nostalgischen liegt. Der Humor blitzt meist dann auf, wenn sich die Geschwister dem edlen Tropfen hingeben und darüber scherzen, wer denn nun den besten Wein herstellt und als Winzer am geeignetsten ist. In einer Szene, die sie zusammen mit ihren Erntehelfern bei einer „rauschhaften“ Feier im Weinkeller zeigt, scheinen die Probleme um sie herum wie verschwunden. Und davon gibt es eine ganze Reihe: Die Erbschaftssteuer sorgt für Geldnöte, Jean (intensiv: Pio Marmaï) vermisst seine Familie in Australien und die Narben der Vergangenheit sind wieder aufgerissen. Die an sinnvollen Stellen eingebauten Rückblenden verdeutlichen, dass die Kindheit der Geschwister in der Idylle des Burgunds nicht immer einfach war – gerade für Jean, den Ältesten. In einer der eindringlichsten Szenen macht dieser klar, wie sehr er unter dem dominanten Vater litt.

Dennoch eint Jean, Juliette und Jérémie die Liebe zum Wein. Die auch Klapisch teilt. Die Kunst der Weinproduktion hält er in erlesenen Bildern fest: vom Kultivieren der Reben über die Ernte bis zur Verarbeitung. Ergänzt werden diese Aufnahmen von prachtvollen Panorama-Bildern der umliegenden Natur. Diese besonnenen, fast hypnotischen Augenblicke bilden einen passenden Kontrast zu den inneren Kämpfen der Drei.

21.08.2017

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