Blade Runner 2049 Kanada, Grossbritannien, USA 2017 – 152min.

Blade Runner 2049

Filmkritik

Imposante Zukunftsmusik

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Es gibt Filme, die bräuchten eigentlich keine Fortsetzung. So auch Blade Runner: Der Sci-Fi-Klassiker hat sich vor fast vier Jahrzehnten unwiderruflich in die Herzen der Fans eingebrannt. Diese Wirkung zu replizieren, stellt wohl ein Ding der Unmöglichkeit dar. Regisseur Dennis Villeneuve hat es trotzdem gewagt und zollt dem Genre eindrücklich seinen Tribut.

Los Angeles 2049: Die Zukunft in Blade Runner 2049 sieht düster, trostlos und abgestorben aus –im von Denis Villeneuve sorgfältig gestalteten, futuristischen Szenario scheint abgesehen vom menschlichen keinerlei Leben zu gedeihen. In dieser Einöde macht sich eine neue Generation von Blade Runnern auf Replikantenjagd - unter ihnen auch LAPD Polizeibeamte KD6-3.7 (Ryan Gosling). Als dieser während der Jagd auf eben einer dieser künstlichen Menschen mit eingepflanzten Erinnerungen eine unerwartete Entdeckung macht und später auf den seit dreissig Jahren verschollen geglaubten Rick Deckard (Harrison Ford) stösst, droht er damit die seit Jahrzehnten geltenden gesellschaftlichen Strukturen zum Wackeln zu bringen.

Ohne Frage versteht Denis Villeneuve etwas davon, was einen gelungenen Sci-Fi-Streifen ausmacht: Wo Zukunftsszenarien oft zu clean oder viel zu abgefahren daherkommen, beeindruckt Blade Runner 2049 mit einer wahnsinnig authentischen und futuristischen Optik, die gleichermassen wunderschön als auch angsterregend düster und trostlos wirkt. Ein mausetotes Ökosystem, synthetische Nahrung, die per technischer Projektion zum Entrecôte mit Frites aufgehübscht wird, von Radioaktivität verstrahlte, gelb-orange Luft: In dieser Zukunft will wohl kein Kinozuschauer aus der heutigen Zeit wirklich leben. Unterstrichen wird die imposante visuelle Umsetzung von einem manchmal schier ohrenbetäubenden Score, der umso mehr einfährt, wenn wie in der Eröffnungsszene gleichzeitig zu den erschütternden Bassklängen eine Vibration auf der Leinwand vorgetäuscht wird.

Da der Macher Villeneuve höchstpersönlich allen Kritikern nahegelegt hat, so wenig als möglich auf den Plot einzugehen, halten wir uns zu inhaltstechnischen Angaben möglichst bedeckt. Nur zwei Dinge sollen an dieser Stelle gesagt sein: Wie im Original geht es auch in Blade Runner 2049 um den existenziellen Kampf zwischen Mensch und Maschine und der Frage, was einen Menschen zum Menschen macht. Gleichzeitig wirft Villeneuve besonders mit dem Beamten K. und seiner Beziehung zu seiner holografischen, rein digital existierenden Freundin die Frage auf, welche Rolle Technologie und ihre Entwicklungen in unserem zukünftigen Alltag spielen könnten und spinnt damit Gedankenexperimente weiter, wie man sie zum Beispiel schon aus Her kennt. Obwohl das optische Feuerwerk mit 2 Stunden und 43 vielleicht etwas lange geraten ist, bleibt eine gewisse Grundspannung bis zum Schluss erhalten und kann mit der bombastisch gestalteten und zugleich überzeugenden Zukunftsvision vielleicht sogar die eingefleischten Fans des Originals für sich gewinnen.

05.10.2017

4

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Kommentare

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oscon

Darf man ein Sequel eines Kultfilms (der damals an den Kinokassen floppte) machen?
Nach dem Besuch von Blade Runner 2048 kann man eigentlich nur sagen: Man darf!
Wie Regisseur Villeneuve die Geschichte weiterspinnt, wie die einzelnen Szenen gestaltet sind, und wie der bis in die kleinsten Nebenrollen fantastisch emotional agierende Cast spielt, ist effektiv ebenfalls Kult-verdächtig.
Sicher ist der Film lang, sicher ist der Film eher ruhig gehalten mit einigen wenigen Actionszenen, doch die Intensität des Inszenierung ist atemberaubend.
Die Figuren wirken mal überspitzt (Sylvia Hoeks), mal sinnlich verletzlich (Ana de Armas) oder auch stoisch cool (Ryan Gosling) bzw. unheimlich (Jared Leto):
Ein Querbeet der Gefühle, welches auch die eigentliche Aussage des Films darstellt.
Absolut auf der Höhe zeigt sich auch die Schweizerin Carla Juri in einer unglaublich emotional aufwühlenden Szene als Erinnerungsarchtektin.
Emotional !

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Blade Runner 2049 5

samuel450

Der Film ist insgesamt ok, aber der grosse Knüller des Jahres 2017 wie angekündigt, ist er für mich nicht. Die Atmosphäre und die Bilder sind beeindruckend. Die ganze Handlung ist aber für mich doch zähflüssig und wenig mitreissend. Schade fand ich auch, dass Harrison Ford erst gegen den Schluss auftaucht. Enttäuscht war ich auch vom Ende des Filmes, das ziemlich einfallslos ist.

Blade Runner 2049 3

thejuege

Bild und Ton sind genial, das war es dann aber auch schon.

Blade Runner 2049 2

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